Teil eines Werkes 
10. Band (1844)
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Zweites Kapitel.

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Es war acht Uhr Morgens. Seit zwei Tagen war der Marſchall abgereiſt. Dagobert ſchlich auf den Zehen durch den Saal, der zu dem Schlafzimmer der Zwillinge führte, und legte ſein Ohr an das Schlüſſelloch. Freudenſtörer kam eben ſo behutſam hinter ihm her. Der Alte ſchien beunruhi⸗ gende Gedanken zu haben und flüſterte: „Wenn nur die Kinder dieſe Nacht nichts gehört haben! Es würde ſie er⸗ ſchrecken und entſetzlich betrüben, während ſie jetzt, ſeitdem ſie wiſſen, wie lieb ihr Vater ſie hat, ſo glücklich ſind. Wie herzhaft haben ſie nicht ſeine Abreiſe ertragen!“ Er horchte wieder und ſagte: „Ich höre nichts. Sie ſind doch ſonſt immer ſo früh wach. Sollte das Betrübniß ſein?“

Dagoberts Betrachtungen wurden durch zweimaliges fröh⸗ liches Lachen unterbrochen, welches aus dem Schlafzimmer der Mädchen ſchallte. Der Soldat athmete freier und ſagte: „Ah, ſie ſind nicht ſo traurig, wie ich dachte; vermuthlich wiſſen ſie nichts.“ Das Lachen wiederholte ſich. Freuden⸗ thränen traten dem Alten in die Augen bei dem Gedanken, daß ſeine Kinder endlich die Heiterkeit ihres Alters wie⸗ dergefunden hatten. Immer das Ohr am Schlüſſelloch, die Hände auf die Knie geſtützt, ging er von Rührung zur Hei⸗ terkeit über, begleitete das Lachen der Mädchen mit einem ſtillen Lächeln und brach endlich ſelbſt in lautes Lachen aus. Freudenſtörer, der einen ſolchen Anfall von Luſtigkeit noch nie bei ſeinem Herrn wahrgenommen, ſah ihn erſtaunt an und kläffte endlich mit fragender Miene.

Auf dieſen bekannten Laut hörte plötzlich das Lachen der Mädchen auf, und eine friſche, noch etwas vor Freude zit⸗ ternde Stimme fragte: „Biſt du es, Freudenſtörer, der uns wecken will!“ Freudenſtörer verſtand, wedelte mit dem Schwanz, legte die Ohren, drückte ſich auf dem Bauch an die Thür und antwortete durch ein leiſes Bellen auf die Frage ſeiner Herrin.