Teil eines Werkes 
10. Band (1844)
Einzelbild herunterladen

—

Simon in einem Kloſter klagbar aufgetreten war. Wir haben, Gott ſei Dank, Freunde überall, und ich weiß aus guter Quelle, daß man ihr Gebell wegen Mangel an Beweiſen auf ſich beruhen laſſen wird, obwohl das Gegentheil ge⸗ wünſcht wird von einigen parlamentsmäßigen Gerichtsper⸗ ſonen, die wir uns merken werden.“

„Unter dieſen Umſtänden,“ ſagte Rodin, „gibt uns die Abreiſe des Marſchalls völlig freie Hand. Wir müſſen un⸗ verzüglich auf ſeine Töchter wirken.“

„Aber wie?“ fragte die Fürſtin.

„Erſt muß man ſie ſehen, mit ihnen reden, ſie kennen lernen und dann dem Befund gemäß handeln.“

„Aber der Soldat verläßt ſie keine Secunde,“ bemerkte Aigrigny.

„Dann müſſen wir in Gegenwart des Soldaten mit ihnen reden und dieſen auf unſere Seite bringen.“

„Ihn?“ rief Aigrigny. „Dieſe Hoffnung iſt widerſinnig. Sie kennen nicht dieſe militäriſche Redlichkeit. Sie kennen dieſen Menſchen nicht.“

„Ich kenne ihn nicht?“ entgegnete Rodin. „Hat nicht das Fräulein von Cardoville mich ihm als ihren Befreier vorgeſtellt, da ich Sie als die Seele dieſes Getreibes ange⸗ geben hatte? Hab' ich ihm nicht ſeine lächerliche kaiſerliche Reliquie, ſein Ehrenkreuz, wiedergegeben im Haus des Doctor Baleinier? Habe ich ihm nicht die Mädchen zurückgebracht und ſie in die Arme ihres Vaters geführt?“

„Ganz gut,“ ſagte die Fürſtin. „Aber ſeitdem hat meine verwünſchte Nichte Alles entdeckt. Sie hat es Ihnen ſelber geſagt, Herr Pater.“

„Sie hat mir geſagt, ſie betrachte mich als ihren Tod⸗

feind. Aber hat ſie das dem Marſchall geſagt? Hat ſie mich ihm genannt? Und wenn ſie es gethan hat der Mar⸗ ſchall es ſeinem alten Burſchen geſagt? Es iſt möglich, aber nicht gewiß. Wir müſſen es zu erfahren ſuchen. Betrachtet mich der Soldat als entlarvten Feind, ſo müſſen wir weiter zuſehen. Fürs Erſte will ich verſuchen, ob ich nicht als Freund aufgenommen werde.“ „Wann?“ fragte die Betſchweſter.

„Morgen früh.“