Sie, hoff ich, dieſem rohen Säbelmenſchen trotz ſeinen Ge⸗ waltthätigkeiten zeigen, welche Ergebung und Demuth eine wahrhaft chriſtliche Seele hegt.“
Ein zweimaliges leiſes Anklopfen unterbrach das Geſpräch. Ein Kammerdiener trat ein, überreichte der Fürſtin auf einer Schüſſel ein großes verſiegeltes Schreiben und entfernte ſich wieder. Die Fürſtin bat mit einem Blick Rodin um Er⸗ laubniß, das Schreiben zu entſiegeln, durchlas es und rief endlich, während ſich auf ihrem Geſichte eine boshafte Freude zeigte: „Es iſt Hoffnung da. Das Begehren iſt ſtreng ge⸗ ſetzmäßig und wird verſtärkt durch den Antrag auf Entmün⸗ vigung. Die Folgen können die von uns gewünſchten ſein. Mit einem Wort: meine NRichte kann bis morgen von Dürf⸗ tigkeit bedroht ſein. Welch ein Umſturz in dem Leben der Verſchwenderin!“
„Dann,“ ſagte Rodin mit nachdenklicher Miene, „wäre allerdings dieſem unbändigen Weſen beizukommen. — Bisher iſt Alles mißlungen,“ murmelte er, an ſeinen Nägeln kauend; „man meint, manches Glück mache unverwundbar.“
„Aber,“ ſagte die Fürſtin nach einigem Beſinnen, „um das gewünſchte Ergebniß zu erlangen, muß ich den Stolz meiner Nichte reizen. Es iſt alſo ſchlechterdings nöthig, daß ich ſie ſehe und ſpreche.“
„Das Fräulein von Cardoville wird ſich zu keiner Zuſam⸗ menkunft verſtehen,“ bemerkte Aigrigny.
„Vielleicht — — Sie iſt ſo glücklich, daß ihre Keckheit aufs Höchſte geſteigert ſein muß. — — Ja, ja. Ich kenne ſte. Ich will ihr ſo ſchreiben, daß ſie kommt.“
„Glauben Sie,“ fragte Rodin mit zweifelnder Miene.
„Zweifeln Sie nicht daran, Herr Pater. Sie wird kom⸗ men. Und iſt erſt einmal ihr Stolz ins Spiel gebracht, dann kann man viel hoffen.“
„Wir müſſen alſo handeln,“ ſagte Rodin, „raſch handeln. Der Augenblick naht, Haß und Mißtrauen ſind wach. Kein Augenblick iſt zu verlieren.“
„Was den Haß betrifft,“ bemerkte die Fürſtin, „ſo hat das Fräulein ſehen können, wie weit ſie mit einem Proceß kommt, als ſie wegen ihrer angeblichen Einſperrung in einem Krankenhaus und wegen der Gefangenhaltung der Fräulein


