„Ich begreife es nicht,“ ſagte Rodin. „Aber das iſt einer⸗ lei. Er iſt weg; kein Augenblick darf verloren werden, um auf die Töchter zu wirken. Hat er den verfluchten Soldaten mitgenommen?“
„Leider nein,“ antwortete Aigrigny. „Durch das früher Geſchehene gewarnt, wird er doppelt vorſichtig ſeyn, und ein Menſch, der im ſchlimmſten Fall uns hätte gegen ihn dienen können, iſt von der Krankheit ergriffen.“
„Ei, wer?“ fragte die Fürſtin.
„Morok. Auf ihn konnte ich für alle Fälle rechnen, und er iſt verloren. Denn wenn er der Cholera entgeht, wird er einem ſchrecklichen, unheilbaren Uebel erliegen.“
„Iſt's möglich?“
„Vor etlichen Tagen iſt er von einer der Doggen in ſeiner Menagerie gebiſſen worden, und Tags darauf iſt die Wuth bei dem Hund zum Ausbruch gekommen.“
„O, das iſt entſetzlich!“ rief die Fürſtin. „Und wo iſt der Unglückliche?“
„Er iſt in eins der proviſoriſchen Spitäler gebracht wor⸗ den, weil die Cholera ihn ergriffen hat. Ich wiederhole, das iſt ein doppeltes Unglück, denn er war ein ergebener, ent⸗ ſchloſſener Menſch, zu Allem bereit. Es wird faſt unmöglich ſeyn, dem Soldaten beizukommen, und nur durch ihn läßt ſich den Mädchen beikommen.“
„Das iſt klar,“ ſagte Rodin mit nachdenklicher Miene.
„Beſonders ſeitdem die anonymen Briefe von neuem ſeinen Argwohn erweckt haben, und — —“
„Von den anonymen Briefen zu ſprechen,“ unterbrach Ro⸗ din, — „da muß ich Ihnen Etwas mittheilen.“
„Ich bin begierig zu hören.“
„Außer den Briefen, von denen Sie wiſſen, hat der Mar⸗ ſchall eine Menge andere Briefe erhalten, in welchen er durch alle möglichen Mittel gegen Sie aufgehetzt wurde, durch Er⸗ innerung an die Gründe, welche er hat, Sie zu haſſen, und durch Witzeleien darüber, daß Ihr geheiligtes Amt Sie vor ſeiner Rache ſchützt.“
Aigrigny ſah Rodin voll Erſtaunen an und rief erröthend: „Aber zu welchem Zweck — — hat Ew. Ehrwürden ſo gehandelt?“


