Teil eines Werkes 
10. Band (1844)
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B

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Der Pater Aigrigny hat mir geſagt, wie ſehr Sie zu käm⸗ fen hatten gegen den Einfluß des Abbé Gabriel.

„Der Abbé Gabriel iſt geſtraft worden dafür, daß er ſich hat in etwas miſchen wollen, was ihn nichts anging, und für ſonſtige Dinge noch. Ich habe ſeine Interdietion er⸗ langt und er iſt von ſeinem Biſchof interdieirt *) und von ſeiner Pfarrei abgerufen worden. Man ſagt, er vertreibe ſich die Zeit damit, in den Choleraſpitälern herumzulaufen und chriſtliche Tröſtungen zu verabreichen. Man kann ihm das nicht wehren. Aber dieſem wandelnden Tröſter riecht man den Ketzer auf eine Stunde Wegs weit an.“

„Das iſt ein gefährlicher Kopf,“ ſagte die Fürſtin. „Er bringt Eindruck auf die Menſchen hervor. Nur Ihrer be⸗ wunderungswürdigen, unwiderſtehlichen Beredſamkeit, Herr Pater, hat es gelingen können, die ſchändlichen Rathſchläge dieſes Abbé Gabriel zu nichte zu machen, welcher den Hrn. Hardy ins Weltleben zurückführen wollte. Wahrhaftig, lie⸗ ber Pater, Sie ſind ein Sanct Chryſoſtomus.“

„Na! na!“ ſagte Rodin, „verſparen Sie dergleichen für Andere.“

„Ich ſage Ihnen, Sie ſind ein Sanct Chryſoſtomus, denn wie er verdienen Sie den Beinamen Goldmund.“

„Hm!“ entgegnete Rodin, unartig die Achſeln zuckend, „ich ein Goldmund! Dazu ſind meine Lippen zu mißfar⸗ big und meine Zähne zu ſchwarz. Sie ſpaßen mit Ihrem Goldmund.“

Ei Herr Pate

„Ei, Frau Fürſtin, mit dieſer Leimruthe fängt man mich nicht. Ich haſſe die Complimente und mache keine.“

„Ihre Beſcheidenheit, Ehrwürdiger Vater, verzeihe mir,“ ſagte demüthig die Betſchweſter. „Ich habe mir nicht das Ver⸗ gnügen verſagen können, Ihnen meine Bewunderung auszu drücken. Was Sie vor einigen Monaten faſt vorausgeſagt oder vorausgeſehen hatten, iſt eingetroffen. Schon ſind zwei Mitglie⸗ der der Familie Rennepont bei der Erbſchaft unbetheiligt.“

Rodin betrachtete die Fürſtin mit milderem Blick, als er

*) Es iſt ihm die Ausübung des Prieſteramtes verboten worden.