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Bei dieſer ſcheinbaren Fühlloſigkeit ward es dem Marſchall weh ums Herz. Es blieb ihm kein Zweifel mehr, daß ſeine Töchter weder ſeinen entſetzlichen Schmerz noch ſeine ver⸗ zweiflungsvolle Vaterliebe ahnten. „Immer dieſelbe Kälte!“ dachte er. „Ich hatte mich nicht getäuſcht.“ Er ſuchte indeß ſeine Empfindlichkeit zu verbergen, trat zu ihnen und ſagte, ſo ruhig er konnte: „Guten Tag, liebe Kinder.“
„Guten Tag, lieber Vater,“ erwiderte Roſa, weniger
ängſtlich als ihre Schweſter.
„Ich habe euch geſtern nicht geſehen,“ fuhr der Marſchall mit gepreßter Stimme fort. „Ich war zu ſehr beſchäftigt — — mit wichtigen Angelegenheiten, mit Dienſtſachen. Ihr ſeid mir doch darum nicht böſe, daß ich euch vernachläſſigt habe?“ Er bemühte ſich zu lächeln und wagte nicht, ihnen zu ſagen, daß er in der letzten Nacht nach einem Ausbruch ſchrecklicher Wuth zur Beruhigung ſeiner Qualen in ihr Schlafzimmer gekommen war, um ſie zu betrachten. „Nicht wahr,“ fuhr er fort, „ihr verzeiht mir, daß ich euch ſo vergeſſen habe?“
„Ja, Vater,“ antwortete Blanea mit niedergeſchlagenen Augen.
„Und wenn ich genöthigt wäre, auf einige Zeit zu ver⸗ reiſen, würdet ihr mir es auch verzeihen? Würdet ihr euch über meine Abweſenheit tröſten?“
Roſa erinnerte ſich deſſen, was der anonyme Brief von den Opfern ſagte, welche ihre Gegenwart ihrem Vater koſtete, und erwiderte mit verlegener Scheu: „Es würde uns leid ſein,— — wenn Sie ſich unſertwegen den geringſten Zwang anthäten.“
Der Marſchall fand in dieſer Antwort den Ausdruck un⸗ verholener Gleichgültigkeit und zweifelte nicht länger an der geringen Zuneigung ſeiner Kinder. „Wir ſind am Ende!“ dachte er. „Es regt ſich nichts in ihnen. Ob ich gehe oder bleibe, das iſt ihnen einerlei. Ich bin ihnen nichts. In dieſem entſcheidenden Augenblick, wo ſie mich vielleicht zum letzten Mal ſehen, ſagt ihnen nicht das kindliche Gefühl, daß ihre Liebe mich retten würde.“ *
Während dieſer niederſchlagenden Erwägung betrachtete er fortwährend ſeine Töchter und ſein Geſicht nahm einen ſo
rührenden Ausdruck an, in ſeinem Blick ſpiegelten ſich deutlich die Qualen ſeiner verzweifelnden Seele ab, daß Roſa
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