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Marſchall eine ſo tiefe Zuneigung zu ihnen, daß nur der Schmerz, ſie zu verlaſſen, das ihn ſo unglücklich machende Schwanken zwiſchen Vaterliebe und einer vermeinten heiligen Pflicht verurſachte.
Die Verleumdungen, welchen ſogar ehrenhafte Waffenge⸗ fährten des Marſchalls Glauben geſchenkt hatten, waren von den Freunden der Fürſtin von St. Dizier verbreitet. Später werden wir Inhalt und Zweck dieſer abſcheulichen Gerüchte erfahren, die vollends das Leben des Marſchalls verbitterten. In der durch die ewigen Nadelſtiche, wie er es nannte, her⸗ vorgebrachten Ueberreizung hatte er einige Worte Dagoberts übel genommen und ihn mit Härte weggewieſen. Als er
aber allein war und bei ruhigerem Nachdenken ſich des über⸗
zeugungsvollen, warmen Tones in den Worten des Ver⸗ theidigers ſeiner Töchter erinnerte, erwachten in ſeiner Seele Zweifel an der vermeintlichen Kälte ſeiner Kinder. Er wollte eine entſcheidende Probe vornehmen. Für den Fall, daß dieſelbe ſeine Zweifel beſtätigte, faßte er einen ſchrecklichen Entſchluß.
Der Wortwechſel mit Dagobert war ſo laut geweſen, daß er durch das Wohnzimmer der Mädchen in ihr Schlafzimmer ſchallte. Ihre bleichen Geſichter verriethen Angſt und Be⸗ ſorgniß, als ihr Vater mit verſtörter Miene eintrat. Sie ſtanden ehrfurchtsvoll vor ihm auf, und drängten ſich dabei zitternd aneinander. Indeß war es nicht Zorn und Härte,
was man auf dem Geſicht des Marſchalls las, ſondern ein Schmerz, welcher zu ſagen ſchien: „Kinder, ich leide. Ich komme zu Euch. Beruhigt mich, liebt mich, oder ich ſterbe.“ Der Ausdruck ſeines Geſichts war ſo ſprechend, daß die Mädchen nach Ueberwindung ihres Schreckens ſich geneigt fühlten, ſich an ſeine Bruſt zu werfen. Aber da fiel ihnen die Stelle des Briefs ein, worin geſagt war, die Aeußerung ihrer kindlichen Liebe ſei ihrem Vater peinlich. Sie wechſel⸗ ten einen Blick und widerſtanden dem Zug ihres Herzens. Eine traurige Fügung wollte, daß in demſelben Augenblick der Marſchall vor Begierde brannte, ſeinen Kindern ſeine Arme zu öffnen. Er betrachtete ſie mit Entzücken; er machte ſogar eine leichte Bewegung, um ſie zu ſich zu rufen. Aber die armen Kinder, durch boshafte Rathſchläge irre geleitet, blieben ſtumm, unbeweglich und zitternd.


