Teil eines Werkes 
9. Band (1844)
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n.

— 131 — dem vorgehabten Schritt abzuhalten. Dagobert, an Gehorſam gewöhnt, rührte ſich nicht, und der Marſchall fuhr fort: „Was wollen Sie thun? Meinen Töchtern ſagen, ich glaubte, ſie liebten mich nicht? Sie zu Aeußerungen einer Zuneigung ver⸗ anlaſſen, die ſie nicht fühlen — nicht weil der Fehler an ihnen, ſondern weil er an mir liegt?“

„Herr General,“ erwiderte Dagobert, „wenn ich Sie ſo von Ihren Kindern ſprechen höre, dann empfinde ich nicht mehr Unwillen, ſondern einen herzbrechenden Schmerz.“

Gerührt von dem Ausdruck in dem Geſicht und in den Worten Dagoberts, fuhr der Marſchall in milderem Tone fort: „Gut, ich will auch darin Unrecht haben. Aber ich frage ohne Bitterkeit und Eiferſucht: Sind nicht meine Kin⸗ der vertraulicher gegen Sie als gegen mich?“

„Wenn Sie ſo fragen, ſo ſage ich Ihnen: Ihre Töchter ſind auch vertraulicher gegen Freudenſtörer als gegen mich. Sie ſind Ihr Vater, und der gütigſte Vater flößt immer Ehrfurcht ein. Iſt es zu verwundern, daß ſie gegen mich vertraulich ſind? Welche Ehrerbietung ſollen ſie vor mir haben, wenn ich, meinen Schnurrbart und meine ſechs Schuh abge⸗ rechnet, für ſie ſo viel bin wie eine alte Grete, die ſie ge⸗ wiegt hätte? Rund heraus geſprochen: Schon vor dem Tod Ihres braven Vaters waren Sie traurig und es gingen Ihnen Gedanken im Kopf herum. Die Kinder haben das bemerkt, und was Sie für Kälte halten, war ſicher nur Be⸗ ſorgniß um Sie. Herr General, Sie ſind nicht gerecht. Sie beklagen ſich darüber, daß Ihre Kinder Sie zu ſehr lieben.“ „Ich beklage mich über das, was ich leide!“ erwiderte der Marſchall unwillig „Ich allein kenne meine Leiden,“ „Dieſe Leiden müſſen ſchwer ſein, denn Sie laſſen dieſelben Diejenigen empfinden, von welchen Sie geliebt werden.“ „Immer noch Vorwürfe?“ * „Ja, Herr General, an Ihren Kindern wäre es, ſich über Sie zu beklagen, Sie der Külte zu beſchuldigen, da Sie die⸗ ſelben ſo ſehr verkennen.“ „Serr Baudoin, das iſt genug! das iſt zu viel! rief der Marſchall. 8 „Ja, es iſt genug,“ erwiderte der alte Soldat, von ſeiner Anhänglichkeit an die Kinder fortgeriſſen. „Wozu arme Kin⸗ 3 9