mir das ganze übrige Jahr Grobheiten machen. Was iſt Ihnen zugeſtoßen?“
Des Marſchalls Geſicht verdüſterte ſich wieder und mit ſchneller Stimme antwortete er: „Es iſt mir zugeſtoßen, — — . daß nichts von mir wiſſen will und mich verachtet.“ „Sie?“
„Ja, mich. Und warum ſollt' ich dir dieſe neue Verletzung verhehlen? Ich habe Zweifel in dich geſetzt und bin dir
eine Entſchädigung ſchuldig. Seit einiger Zeit bemerke ich,
daß meine alten Waffengeführten, wenn ich ſie treffe, ſich
von mir fern halten.“
„Und darauf hätte dieſer anonyme Brief — —2
„Darauf hat er angeſpielt und mit Wahrheit,“ ſagte Simon *mit einem Seufzer des Ingrimms.
„Das iſt ja unmöglich, Herr General. Sie ſind ja ſo ſehr geliebt und geachtet — —“
„Lauter Redensarten. Ich ſpreche von Thatſachen. Oft wenn ich erſcheine, wird ein begonnenes Geſpräch abgebrochen. Anſtatt mich als Kriegskameraden zu behandeln, befleißigt man ſich einer kalten Höflichkeit gegen mich. Und ſo ſind tauſend unſcheinbare Kleinigkeiten, welche das Herz verletzen, ohne daß man darüber jemand zur Rede ſetzen kann.“
„Was Sie mir da ſagen, macht mich ganz ſtarr. — Sie verſichern es; alſo muß ich's glauben.“
„Die Sache war mir unerträglich. Ich wollte damit aufs Reine kommen. Dieſen Morgen ging ich zum General Havrincourt, der neben mir Oberſt in der kaiſerlichen Garde geweſen war. Er iſt die Ehrlichkeit ſelber und ich kam mit
offenem Herzen zu ihm. Ich bemerke, ſagte ich zu ihm, die *
Kälte, die man mir beweiſt. Es muß eine Verleumdung
gegen mich im Umlauf ſein. Sagen Sie mir Alles. Wenn
ich weiß, wie ich angegriffen werde, dann werd' ich mich offen
und ehrlich vertheidigen. — Havrincourt blieb gleichgültig
und förmlich bei meinen Worten. Auf meine Frage ant⸗
wortete er kalt: Herr Marſchall, ich wüßte nicht, daß irgend
ein verleumderiſches Gerücht über Sie in Umlauf wäre. —
Lieber Havrincourt, ſagte ich ihm, damit, daß Sie mich
„Herr Marſchall“ nennen, iſt mir nicht gedient. Wir ſind
alte Soldaten und alte Freunde. Mein Ehrgefühl iſt beun⸗


