Teil eines Werkes 
9. Band (1844)
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„Ach! was können wir dafür! Unſere Mutter hat uns in der Einöde Sibiriens erzogen, ſo gut ſie konnte.“

„Gewiß,“ ſagte Blanca, „macht uns der Vater dieſe Män⸗ gel nicht zum Vorwurf; aber ſie thun ihm weh⸗“

„Beſonders, wenn er Freunde hat, deren Töchter ſchön, talentvoll und geiſtreich ſind. Alsdann thut es ihm ſehr weh, daß wir nicht ſo ſind.“

„Erinnere dich, als er uns zu unſerer liebreichen Baſe, dem Fräulein Adriana geführt hatte, wie er uns da voll Bewunderung ſagte: Habt ihr geſehen, Kinder, wie ſchön ſie iſt, welchen Geiſt, welch edles Herz ſie beſitzt und welche bezaubernde Anmuth?“

„Er hat Recht. Das Fräulein von Cardoville war ſo

ſchön, ihre Stimme war ſo ſanft, daß wir, indem wir ſie

ſahen und hörten, unſern Kummer vergaßen.“

„Vergleicht uns nun der Vater mit unſerer Baſe und mit ſo vielen andern ſchönen Damen, ſo kann er nicht ſtolz auf uns ſein, was doch ein ſo geehrter Mann gern ſein möchte.“

Plötzlich legte Roſa ihre Hand auf den Arm ihrer Schwe⸗ ſter und ſagte ängſtlich: „Horch! — horch! Im Zimmer des Vaters wird ſehr laut geſprochen.“

Blanca horchte und ſagte: „Ja. Und ich höre gehen. Es iſt ſein Tritt.“

„Gott! Wie laut ſpricht er. Er ſcheint zornig zu ſein. Vielleicht kommt er.“

Bei dem Gedanken an die Ankunft ihres Vaters, der ſie ſo ſehr liebte, ſahen die unglücklichen Kinder ſich einander

ängſtlich an. Da die Stimmen immer lauter und heftiger

wurden, ſagte Roſa zitternd zu ihrer Schweſter: „Komm, laß uns in unſer Schlafzimmer gehen.“

„Warum?“ fragte Blanca.

„Wir würden die Worte des Vaters hören, der wol nicht denkt, daß wir hier ſind.“

„Du haſt Recht,“ ſagte Blanea aufſtehend.

„Ich habe Angſt. Noch nie habe ich ihn in ſolchem Tone reden hören.“

Blanca blieb ſtehen und ſagte erbleichend: „Ach Gott! Es iſt Dagobert, mit dem er ſo ſpricht.“ „Was geht denn vor, daß er ſo mit ihm ſpricht?“