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men Mädchen dachten nun: „Wir ſind die Urſache des Kummers unſeres Vaters. Unſere Gegenwart macht ihn ſo unglücklich.“ Hatte ſich ein ſolcher Gedanke in den liebe⸗ vollen, ängſtlichen, kindlichen Herzen feſtgeſetzt, ſo läßt ſich leicht ermeſſen, welch nagenden Kummer er verurſachen mußte. Es konnte ihnen nicht einfallen, Mißtrauen in die Rath⸗ ſchläge des Unbekannten zu ſetzen, welcher mit ſo viel Ver⸗ ehrung von Allem ſprach, was ſie liebten, und deſſen Worte täglich durch das Verhalten ihres Vaters gegen ſie gerecht⸗ fertigt wurden. Daß ſie Feinde hatten, wußten ſie aus Er⸗ fahrung, und unbedenklich befolgten ſie den auf dieſen Um⸗ ſtand geſtützten Rath, dem trefflichen Dagobert nichts von den Briefen zu ſagen.
Der Zweck dieſer Kunſtgriffe lag nahe. Indem der Mar⸗ ſchall von allen Seiten gehetzt wurde, indem man ihm die Meinung beibrachte, ſeine Kinder ſeien kalt gegen ihn, durfte man hoffen, die Unſchlüſſigkeit zu überwinden, welche ihn noch hinderte, ſeine Töchter zu verlaſſen und ſich in eine gewagte Unternehmung zu ſtürzen. Man machte ihm das Leben ſo ſauer, daß er ſich am Ende glücklich ſchätzen konnte, ein ver⸗ wegenes Unternehmen vor ſich zu haben, über welchem er dieſe ewige Qual vergeſſen konnte.
Nach Leſung des Briefes ſaßen die Schweſtern eine Zeit⸗ lang ſtumm und niedergeſchlagen da. Endlich ſtand Roſa, welche das Papier in der Hand hatte, auf, ging ans Kamin und warf es ins Feuer, indem ſie ſagte: „Wir müſſen ohne Verzug den Brief verbrennen, weil ſonſt vielleicht großes Un⸗ glück erfolgen könnte.“
„Wol nicht viel größeres, als wir haben,“ entgegnete Blanca traurig. „Worin mag es nur liegen, daß wir dem Vater ſolchen Kummer verurſachen?“
„Vielleicht,“ ſagte Roſa mit Thränen in den Augen, „findet er uns nicht ſo, wie er wünſcht. Er liebt uns wol als die Kinder unſerer ihm ſo theuren Mutter; aber er findet in uns nicht die Töchter, wie er ſich ſie vorgeſtellt hatte. Was meinſt du?“
„Allerdings mag das die Urſache ſeines Kummers ſein. Wir ſind ſo ungebildet, ſo unbeholfen, daß er ſich unſerer
ſchämen muß und da er uns doch liebt, ſo thut ihm das weh.“


