Teil eines Werkes 
9. Band (1844)
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um ihn nicht auf die ſchmerzliche Probe einer allzu ausdrucksvollen Zärtlichkeit zu ſtellen, ſo ſein Sie zu⸗ rückhaltend, obſchon liebevoll. Damit werden Sie ſei⸗ nen Kummer bedeutend erleichtern. Bewahren Sie ſtets das Geheimniß, ſelbſt gegen den guten Dagobert, der Sie ſo ſehr liebt, denn ſonſt würde er, würden Sie, Ihr Vater und der unbekannte Freund, welcher Ihnen ſchreibt, große Gefahr laufen vor Ihren furchtbaren Feinden.“

„Muth und Hoffnung! Man wünſcht, baldigſt die Liebe Ihres Vaters zu Ihnen von jedem Kummer frei zu machen. Welch ſchöner Tag wird das für Sie ſein! Vielleicht iſt er nicht fern.“

„Verbrennen Sie dies Billet wie die andern.“

Dieſer Brief war mit ſolcher Geſchicklichkeit abgefaßt, daß er, angenommen ſelbſt, die Mädchen hätten ihn ihrem Vater oder Dagoberten mitgetheilt, höchſtens als eine ſeltſame, un⸗ angenehme, aber faſt entſchuldbare Einmiſchung in Familien⸗ angelegenheiten hätte betrachtet werden können. Es ließ ſich nichts boshafteres erſinnen, mit Bezug auf die peinliche Ver⸗ legenheit, in welcher ſich der Marſchall befand, indem er ſtets zwiſchen dem Kummer, ſich von ſeinen Töchtern zu trennen und zwiſchen der Schande eine heilige Pflicht uner⸗ füllt zu laſſen, ſchwankte. Durch jene teufliſchen Rathſchläge wurde die Aufmerkſamkeit der Mädchen geweckt. Sie fanden bald, daß ihre Gegenwart wirklich ihrem Vater lieb und leid war, denn oft fühlte er ſich bei ihrem Anblick außer Stand, ſie zu verlaſſen, und alsdann konnte er den Schmerz über verſäumte Pflicht nicht verbergen. Die armen Kinder konn⸗ ten nicht umhin, ſich die Stimmung ihres Vaters in dem

durch die anonymen Briefe angedeuteten Sinn zu erklären. Sie waren überzeugt, daß eine für ſie unergründliche Urſache

ihre Gegenwart ihrem Vater oft läſtig und peinlich machte.

Daher die zunehmende Traurigkeit bei Roſa und Blanca. Daher eine gewiſſe ängſtliche Zurückhaltung in den Aeuße⸗ rungen ihrer kindlichen Liebe. Der Marſchall nahm dieſe Zurückhaltung für Kälte. Bei Wahrnehmung derſelben zeigte ſich Schmerz auf ſeinem Geſicht, und oft verließ er plötzlich ſeine Kinder, um ſeine Thränen zu verbergen. Und die ar⸗