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„Eben darum haben wir auch mehr gelächelt als geweint, da er uns bei den Händen faßte und, ſeine ſchönen weißen Flügel entfaltend, uns mit ſich in den blauen Himmel nahm.“
„In den Himmel, wo unſere gute Mutter mit thränen⸗ feuchtem Antlitz uns die Arme entgegenſtreckte.“
„Roſa, ſolche Träume hat man nicht vergebens. — Viel⸗ leicht würde es auch einen großen Kummer beſeitigen, deſſen Urſache wir ſind.“
„Die unſchuldige Urſache,“ fügte Roſa hinzu. „Wir lie⸗ ben ihn ſo ſehr, und doch ſind wir vor ihm ſo ängſtlich und niedergeſchlagen, daß er vielleicht glaubt, wir liebten ihn nicht.“
Bei dieſen Worten griff Roſa nach ihrem Schnupftuch, um ihre Thränen zu trocknen. Indem ſie es aus ihrem Ar⸗ beitskörbchen zog, fiel ein Brief heraus. Beim Anblick des⸗ ſelben erbebten beide Schweſtern und drückten ſich an einan⸗ der. Roſa ſagte: „Wieder ein ſolcher Brief. Ach! ich habe Angſt. Er iſt gewiß wie die andern.“
Blanca bückte ſich ſchnell und hob den Brief auf, indem ſie ſagte: „Wir müſſen machen, daß ihn Niemand ſieht, da⸗ mit die theilnehmenden Leute nicht in Gefahr kommen.“
„Wie kommt wohl dieſer Brief hierher?“ fragte Roſa.
„Wie haben ſich die andern ſtets in Abweſenheit unſerer Erzieherin gefunden?“
Wir würden vergebens nach dem Grund dieſes Geheim⸗ niſſes forſchen,“ ſagte Roſa. „Laß uns den Brief leſen; vielleicht iſt er beſſer für uns als die andern.“
Beide laſen Folgendes:
„Liebe Kinder, widmen Sie fortwährend Ihrem Vater die zärtlichſte Liebe, denn er iſt unglücklich, und Sie ſind wider Ihren Willen die Urſache ſeines Kummers. Sie werden nie erfahren, welche harte Opfer Ihre Ge— genwart ihm auflegt. Er iſt der Märthrer ſeiner Va⸗ terpflicht, Seine Schmerzen ſind bitterer als je. Ver⸗ ſchonen Sie ihn ja mit Aeußerungen Ihrer Liebe, denn ſolche Aeußerungen verurſachen ihm mehr Kummer als Freude. Jede Ihrer Liebkoſungen iſt ein Dolchſtoß für ihn, denn er ſieht in Ihnen die unſchuldige Urſache ſei⸗ ner Schmerzen. Doch verzweifeln Sie darum nicht, liebe Kinder. Wenn Sie Selbſtbeherrſchung genug haben,


