„Genug!“ unterbrach Adriana, um ihrem Vetter ein pein⸗ liches Geſtändniß zu erſparen. „Ich verſtehe ſchon. Auch ich mußte durch die Verzweiflung ſehr geblendet ſein, um dies ſchändliche Complott nicht zu durchſchauen, zumal nach einer ſo tollkühnen Handlung. — Das Leben wagen, um mei⸗ nen Strauß aufzuheben,“ fügte ſie ſchaudernd ein. „Noch ein Wort (wiewohl ich der Antwort ſicher bin): haben Sie einen Brief empfangen, den ich Ihnen an demſelben Tag, wo ich Sie im Theater ſah, geſchrieben hatte?“
Dſchalma antwortete nicht. Eine düſtere Wolke zog über ſein ſchönes Geſicht, welches einen ſo drohenden Ausdruck an⸗ nahm, daß Adriana darüber erſchrack. Aber ſchnell Aegte ſich wieder dieſer Aufruhr in ſeinem Innern, wie wenn er über⸗ legt hätte, und ſein Antlitz ward wieder ruhig und heiter zur großen Verwunderung ſeiner Freundin. „Ich bin nachſichtiger geweſen, als ich dachte,“ ſagte er. „Ich habe Ihrer würdig in Ihre Nähe kommen wollen. Ich habe Dem verziehen, welcher meinen Feinden zu gefallen mir verderbliche Rath⸗ ſchläge gegeben hatte und noch gab. Ich bin feſt überzeugt, dieſer Menſch hat mir Ihren Brief entwendet. Vorhin bei dem Gedanken an all das Unheil, welches er mir ſo zuge⸗
fügt hat, habe ich einen Augenblick meine Nachſicht bereut. Aber ich habe an Ihren Brief von geſtern gedacht, und mein Zorn iſt verflogen.“
„Sie iſt alſo vorüber, dieſe heilloſe Vergangenheit mit ihrer Angſt, ihrem Mißtrauen, ihrem Argwohn, die uns ſo lange gequält haben, die mich an Ihnen und Sie an mir haben zweifeln laſſen. Weg mit dieſer heilloſen Vergangen⸗ heit!“ Und als ob ſie ihr Herz von den letzten Gedanken, die es hätten betrüben können, entlaſtet hätte, fuhr ſie fort: „Uns gehört jetzt die Zukunft, die ganze Zukunft, die heitre,
wolkenloſe Zukunft ohne Hinderniſſe, ein ſchöner Geſichtskreis, ſo unermeßlich weit, daß ſeine Gränzen dem Blick entſchwinden!“
Plötzlich nahm ihr in ſeliger Luſt ſtrahlendes Antlitz einen Ausdruck der Schwermuth an, und im Ton tiefer Rührung fügte ſie hinzu. „Ach, daß es jetzt neben uns doch auch Un⸗ glückliche und Leidende gibt!“
Dieſe Gedanken kindlichen Mitgefühls für das Unglück, in demſelben Augenblick, wo das edle Mädchen den Gipfel eines
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