Teil eines Werkes 
9. Band (1844)
Einzelbild herunterladen

—

— 28 —

shafte Feinde, daß ſie noch an ſt unwillkürlich ſah ſie jeden Au⸗ ndlich ſchlug die Stunde der Zu⸗ ſammenkunft. Jeder Glockenſchlag hallte lange im Herzen Adriana's nach. Sie dachte, Dſchalma habe aus Beſcheiden⸗ heit nicht gewagt, ſich früher als in dem von ihr feſtgeſetzten Augenblick einzuſtellen. Sie dankte ihm für dieſe Beſcheiden⸗ heit, anſtatt ihn deshalb zu tadeln. Sobald aber die Stunde geſchlagen hatte, hielt ſie bei dem geringſten Geräuſch in den anſtoßenden Sälen den Athem an und horchte voll Hoffnung. In den erſten Minuten nach dem Gblockenſchlag ſtieg ihr keine Beſorgniß auf. Sie beſchwichtigte ihre Ungeduld mit der — in den Augen Solcher, welche nie die fieberhafte Aufregung glücklicher Erwartung empfunden haben, kindiſchen und alber⸗ nen — Erwägung, daß die Uhr in der Blancheſtraße gegen die Uhr in der Anjonſtraße etwas nachgehn könnte. Allein als aus dem anfangs vermuthete Unterſchied von einigen Mi⸗ nuten, eine Viertelſtunde und mehr wurde, empfand Adriana eine immer größer werdende Angſt. Mehrmals ſtand ſie mit klopfendem Herzen auf, ſchlich auf den Zehen an die Thür des Saals und horchte. Aber ſie hörte immer nichts.

Es ſchlug halb drei. Ihre Angſt war jetzt ſo groß, daß ihr kaum noch Hoffnung blieb. Sie kehrte ans Kamin zurück, nahm eine ruhige Miene an und ſchellte. Nach einigen Se⸗ cunden öffnete ein ſchwarz gekleideter ergrauter Kammerdiener die Thür und harrte in ehrfurchtsvollem Schweigen der Be⸗ fehle ſeiner Gebieterin. Adriana ſagte ihm in ruhigem Ton: „Andreas, laſſen Sie ſich von Hebe ein Fläſchchen geben, welches ich auf dem Kamin meines Zimmers vergeſſen habe, und bringen Sie mirs.“

Andreas verbeugte ſich. In dem Augenblick, wo er hin⸗ ausgehen wollte, um den Befehl zu vollziehen, den Adriana bloß gegeben hatte, um Gelegenheit zu einer Frage zu jinden,

deren Wichtigkeit ihre von der bevorſtehenden Ankunft des Prinzen benachrichtigten Leute nicht merten ſollten, deutete das Fräulein mit gleichgültiger Miene auf die Uhr und fragte: „Geht dieſe Uhr recht?“

Der Diener ſah auf die Stutzuhr, vann auf ſeine Taſchen⸗ 4 uhr und antwortete „Ja Fräulein. Ich habe meine Uhr