Teil eines Werkes 
9. Band (1844)
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„Was iſt ſonderbar, gnädiger Herr?“ fragte der Würger. „Nichts. Aber ſage mir, da mir deine Rathſchläge bisher ſo viel Glück gebracht haben, was denkſt du von der Zukunft?“

„Von der Zukunft, gnädiger Herr 2“

„Ja. In einer Stunde ſoll ich bei dem Fräulein von Car⸗ doville ſein.“

„Gnädiger Herr, das iſt ein wichtiger Augenblick Von dieſer erſten Zuſammenkunft hängt die Zukunft ab.“

„Das dacht' ich eben.“

„Glauben Sie mir, gnädiger Herr, die Weiber faſſen Zu⸗ neigung nur zu kühnen Männern, die ihnen die Verlegenheit der Weigerung erſparen.“

„Erkläre dich deutlicher.“

„Gnädiger Herr, ſie verachten den ſcheuen, ſchmachtenden Liebhaber, welcher demüthig erfleht, was er rauben ſoll.“

„Aber ich beſuche heut das Fräulein zum erſten Mal.“

„Sie haben ſie tauſendmal in Ihren Träumen beſucht, und das Fräulein Sie in— ſeinen Träumen, denn das Fräu⸗ lein liebt Sie. Jeder Ihrer Liebesgedanken findet Wi⸗ derhall in ihrem Herzen. Ihre glühende Anbetung hegt auch das Fränlein. Die Liebe hat nur eine Sprache. Sie haben ſich beiderſeits nicht geſehen, und doch haben Sie ſich wechſelſeitig Alles geſagt, was Sie ſich zu ſagen hatten. Verfahren Sie nun heute als Herr, und ſie gehört Ihnen.“

„Sonderbar — — ſonderbar!“ ſagte Dſchalma, immerfort den Meſtizen anblickend.

Faringhea verſtand den Sinn dieſes Wortes nicht und fuhr fort: „So ſonderbar es Ihnen auch vorkommen mag, gnädiger Herr, es iſt weiſe. Erinnern Sie ſich der Vergan⸗ genheit. Haben Sie damit dieß ſtolze Mädchen zu Ihren Füßen gebracht, daß Sie den ſchüchternen Liebhaber ſpielten? Nein, ſondern dadurch, daß Sie thaten, als verſchmähten Sie die Stolze um einer Andern willen. Alſo keine Schwäche! Der Löwe girrt nicht wie die ſchwache Turteltaube. Der ſtolze Sultan der Wüſte kümmert ſich nicht um ein klägli⸗ ches Brüllen der Löwin. Und ſie iſt weniger erzürnt als dankbar für ſeine wilden Liebkoſungen, und unterwürfig und freudig kriecht ſie ihrem Gebieter nach. Wagen Sie es, wagen Sie es, gnädiger Herr, und Sie werden heut der an⸗