Teil eines Werkes 
9. Band (1844)
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wurde. Dieſe flüchtige Regung hinderte aber den Meſtizen nicht fortzufahren: „Ich ſage, durch Befolgung des Rathes Ihres treuen Sklaven, eine leidenſchaftliche Liebe zu einem andern Weib zu erheucheln, haben Sie das ſtolze Fräulein von Cardoville dazu gebracht, daß ſie zu Ihnen kommt. Hab' ich es Ihnen nicht vorausgeſagt?“

„Ja du haſt es vorausgeſagt,“ antwortete Dſchalma in derſelben Stellung und mit demſelben Blick.

Die Verwunderung Faringhea's ſtieg immer höher. Der Prinz pflegte zwar nicht ihn hart zu behandeln, aber doch herriſch, wie in Indien üblich iſt. Noch nie hatte er mit ſolcher Milde zu ihm geſprochen. Im Bewußtſein des ihm zugefügten Böſen glaubte der Meſtize, hinter dieſer Güte ſeines Herrn liege ein Fallſtrick verborgen, und fuhr minder zuverſichtlich fort: „Gnädiger Herr, wenn Sie auch heut mei⸗ nem Rathe folgen, wenn Sie Ihren Vonrtheil zu benutzen verſtehen, ſo wird dieſer Tag Sie für all Ihre großen Lei⸗ den tröſten. Noch geſtern haben Sie ſchrecklich gelitten, obwohl Sie den Edelmuth haben, es zu vergeſſen. Aber Sie haben nicht allein gelitten. Auch dieß ſtolze Mädchen hat Schmerzen gehabt.“

„Meinſt du?“ fragte Dſchalma.

„O gewiß, gnädiger Herr. Denken Sie nur, wie mußte ihr zu Muth ſein, als ſie im Theater Sie mit einem andern Weib zuſammen ſah. War ihre Liebe zu Ihnen zu ſchwach, ſo iſt ihre Eitelkeit ſchwer gekränkt worden, war ſie leiden⸗ ſchaftlich, ſo mußte es für ſie ein Stich ins Herz ſein. Jetzt iſt ſie der Schmerzen müde und kommt zu Ihnen.“

„Alſo biſt du durchaus ſicher, daß ſie gelitten, daß ſie viel gelitten hat? fragte Dſchalma in fortwährend ſanftem Ton, dem man aber den Zwang anhörte „Und das erweckt nicht dein Mitleid?“ .

„Ehe ich daran denke, Andere zu beklagen, denke ich an Ihre Schmerzen,“ antwortete der Würger, der unter Rodin's Einfluß ſchon ſtarke Fortſchritte in der Heuchelei gemacht hatte. „Ihre Schmerzen rühren mich zu ſehr, als daß mir Mitleid für Andere bliebe.“

„Sonderbar!“ ſagte Dſchalma für ſich mit einem noch durchdringenderen, aber immer freundlichen Blick auf Faringhea.