„Reden Sie.“ *
„Ich war in den Todtengarten gegangen. Es war Nacht. Ueberall Leichenzüge und brennende Fackeln, welche die Grab⸗ mäler erhellten. Bohwanie lächelte in ihrem ſchwarzem Himmel. An dieſe heilige Gottheit des Nichts denkend, ſah ich mit Vergnügen einen Wagen voll Särge ausleeren. Das ungeheure Grab gähnte wie ein Höllenſchlund. Man warf Todte über Todte hinein; es gähnte immerfort. Plötzlich ſah ich beim Fackelſchein neben mir einen alten Mann, der weinte.
Ich hatte ihn ſchon — — einmal geſehen. — — Er iſt ein Jude. — — Er hütet das Haus — — in — der Franciscusſtraße — — Sie wiſſen — —“
„Ja, ich weiß es. Was iſt Ihnen denn, daß Sie auf einmal ſo ſtottern?“
„In dieſem Haus — — befindet ſich ſeit 150 Jahren das Bild eines Mannes, den ich — — einſt in Indien —
an den Ufern des Ganges angetroffen habe.“
„Eine auffallende Aehnlichkeit,“ ſagte der im Wagen, wäh⸗ rend der außen Stehende ſchauderte.
„Ja, gnädiger Herr, eine — — auffallende — — Aehn⸗ lichkeit, nichts weiter.“
„Aber der alte Jude? der alte Jude?“
„Immerfort weinend wandte er ſich an einen Todtengrä⸗ ber und ſagte: Nun, der Sarg? — Sie hatten Recht,“ antwortete der Todtengräber, „ich habe ihn in der zweiten Schicht der andern Grube gefunden. Er war mit einem Kreuz aus ſieben ſchwarzen Punkten bezeichnet. Aber woher wiſſen Sie Ort und Zeichen dieſes Sargs?“
„Ach! erwiderte der Jude, was kann Ihnen daran lie⸗ gen? Sie ſehen, ich bin nur zu gut unterrichtet. Wo iſt der Sarg? — Hinter dem großen Grabmal von ſchwarzem Marmor, antwortete der Todtengräber. Sein Deckel ſteht der Erde gleich. Aber machen Sie geſchwind. In dem Ge⸗ tümmel wird man nichts bemerken. Sie haben mich gut bezahlt; ich wünſche, Ihr Vorhaben möge Ihnen glücken.“
„Und was hat der alte Jude mit dem Sarg mit den ſie⸗ ben ſchwarzen Punkten angefangen?“
„Gnädiger Herr, er hatte zwei Männer bei ſich, die eine Bahre mit Vorhängen trugen. Ich ſah ihn eine Laterne


