mich fühlen, daß ich über dieſe Liebe nicht erröthen, ſondern ſtolz ſein darf. Meine Wohlthäterin hat Recht und du haſt Recht. Warum ſollt' ich mich ſchämen? Iſt meine Liebe nicht unſträflich und wahr? Was anders hab' ich gehofft, als dich ſtets zu lieben, es dir zu ſagen und durch eine unab⸗ läſſige Zuneigung zu beweiſen. Und doch hat Scham und Aengſtlichkeit verbunden mit dem Schwindel, den die aufs Höchſte geſtiegene Noth verurſacht, mich zum Selbſtmord ge⸗ trieben! Sieh, lieber Freund, ſo etwas muß man dem ſchreck⸗ lichen Mißtrauen eines ſeit ſeiner Kindheit der Verlachung preisgegebenen Geſchöpfs nachſehen. Dies Geheimniß würde ich mit mir ins Grab genommen haben, wenn nicht ein un⸗ vorhergeſehener Zufall es dir offenbart hätte. Du haſt Recht: nach dieſer Entdeckung hätte ich, meiner und deiner ſicher, nichts fürchten ſollen. Aber du mußt Nachſicht haben: Das böſe Mißtrauen gegen ſich ſelbſt macht den Menſchen auch in Bezug auf Andere zweifelhaft. Laß uns das alles vergeſſen. Sieh, Agricola, edelmüthiger Bruder, jetzt ſag' ich dir, was du vorhin mir geſagt haſt: ſieh mich an; du weißt, auch mein Geſicht hat nie gelogen. Sieh, ob meine Augen die deinigen fliehen, ſieh, ob ich je ſo glücklich ausgeſehen habe. Und doch wollte ich vorhin noch ſterben!“
Agricola hätte eine ſo ſchnelle Wirkung ſeiner Worte nicht erwartet. Ungeachtet der tiefen Spuren, welche Elend, Kum⸗ mer und Krankheit in das Geſicht des Mädchens gedrückt hatten, ſtrahlte dasſelbe jetzt von ſeliger Heiterkeit, und ihre blauen Augen, ſanft und rein wie ihre Seele, ſahen ohne Verlegenheit in die Augen ihres Freundes. 2
„Ich danke dir,“ rief der junge Mann freudig. „Indem ich dich ſo ruhig und glücklich ſehe, Magdalene, empfind'ich Dank.“
„Ja, ruhig und glücklich bin ich, Agricola. Denn von nun an darfſt du meine geheimſten Gedanken wiſſen. Glück⸗
lich bin ich, denn dieſer ſo unheilvoll begonnene Tag endigt
wie ein himmliſcher Traum. Anſtatt mit Angſt ſehe ich dich mit Wonne an. Ich habe meine edelmüthige Wohlthäterin wieder gefunden, und ich bin über die Zukunft meiner armen Schweſter beruhigt. Nicht wahr, wir werden ſie baldigſt ſehen; denn dieſe Freude muß ſie theilen.“
Agricvla wollte nicht das Glück des a iwchens ſtö⸗


