Teil eines Werkes 
9. Band (1844)
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böſen Leidenſchaften. Schlage die Augen auf und ſieh mich an. Du weißt, ob mein Geſicht je gelogen, ob ſich je eine erheuchelte Rührung auf demſelben abgeſpiegeit hat. Sieh mich an, und du wirſt auf meinen Zügen leſen, wie ſehr ich auf deine Liebe ſtolz bin.“

Außer ſich vor Schmerz und niedergedrückt von Beſchä⸗ mung hatte die Mayeur bis dahin nicht gewagt, die Augen zu Agricola zu erheben. Aber in ſeinen Worten lag ſo viel Aufrichtigkeit, in ſeiner Stimme ſo viel Rührung, daß das arme Geſchöpf fühlte, wie ſeine Scham allmählig ſchwand. Sie ſchwand noch mehr, als Agpicola fortfuhr: „Eole, ſanfte Magdalene, ſei ruhig wegen dieſer Liebe. Ich werde derſel⸗ ben würdig ſein, und dir wird ſie in Zukunft eben ſo viel Glück gewähren, wie ſie dir bisher Thränen ausgepreßt hat. Warum ſollte dieſe Liebe fernerhin für dich ein Grund des Fernbleibens, der Verwirrung und der Angſt ſein? Was iſt die Liebe, wie dein treffliches Herz ſie verſteht? Ein ſteter Austauſch von Hingebung, Zärtlichkeit, eine herzliche, wech⸗ ſelſeitige Hochſchätzu— n blindes Vertrauen. Dieſe Hin⸗ gebung und Zärtlichkeit, dies Vertrauen gegen einander wer⸗ den wir haben, von nun an noch mehr als bisher. In tauſend

aber wirſt du mich eben ſo froh

ück ch fühlen wirſt, daß du mich glück⸗ as wie eine Ueberſchätzung meiner ſelbſt, — aber ich kann nicht lügen.“

Die Mayeur hatte gefürchtet, ihr entdecktes Geheimniß mit Spott, Verachtung oder demüthigendem Mitleid aufgenommen zu ſehen. Statt deſſen ſah ſie herzliche Freude auf dem männlichen, ehrlichen Geſicht Agricola's. Sie wußte, daß er unfähig war zu heucheln. Jetzt völlig ermuthigt, ſagte ſie ohne Verwirrung, vielmehr mit einer Art von Selbſtgefühl: „Jede aufrichtige, reine Leidenſchaft hat alſo das Schöne, Gute und Tröſtende, daß ſie am Ende immer eine rührende

cheilnahme erwirbt, wenn man ihren erſten Stürmen hat widerſtehen können. Sie ehrt ſtets das Herz, welches ſie einflößt, und das, welches ſie empfindet. Deine freundlichen Worte, Agricola, heben mich in meinen Augen und laſſen

deinem trefflichen Herzen einzuneh⸗