Teil eines Werkes 
9. Band (1844)
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„Elend! Mangel an Arbeit! — Undich? War ich nicht da?“

„Die Verzweiflung . . .“

„Und woher die Verzweiflung? Das edelmüthige Fräulein nimmt dich bei ſich auf, weiß dich zu würdigen, behandelt dich als Freundin — und in dem Augenblick, wo du alle Bürgſchaften des Glücks für die Zukunft haſt, verläßt du plötzlich das Haus des Fräuleins und läßt uns in der ſchreck⸗ lichſten Angſt über dein Schickſal.“

„Ich — — ich — — fürchtete — — meiner Wohlthä⸗ terin zur Laſt zu fallen,“ ſtammelte die Mayeur.

„Du dem reichen, gütigen Fräulein von Cardoville zur Laſt?“

„Ich — — fürchtete — — zu ſehen und zu ſagen, was ich nicht ſehen und ſagen ſollte,“ ſagte die Mayeur in im⸗ mer größerer Verlegenheit.

Anſtatt ſeiner Pflegſchweſter etwas zu erwidern, betrachtete ſie Agricola einige Augenblicke mit einer ſchwer zu beſchrei⸗ benden Miene. Plötzlich rief er, wie zur Antwort auf eine Frage, die er ſich in Gedanken geſtellt: „Sie wird mir ver⸗ zeihen, daß ich ihr nicht gehorche. Ja gewiß.“ Und zur Mayeux, die ihn verwundert anſah, ſagte er mit gepreßter Stimme: „Das geht nicht! Ich bin zu offenherzig, um in der angefangenen Weiſe fortzuſprechen. Ich mache dir Vor⸗ würfe und denke dabei an etwas anderes.“

„An was denn, Agricola?“

„Das Hetz blutet mir bei dem Gedanken an das Leid, welches ich dir angethan habe.“

„Ich begreife dich nicht, lieber Freund. Du haſt mir nie etwas zu Leid gethan.“

„Nicht? Niemals? Im Geringſten nicht? Zum Beiſpiel, indem ich, einer abſcheulichen Gewohnheit aus den Kinder⸗ jahren folgend, obwohl ich dich als meine Schweſter liebte und achtete, dich doch hundertmal jeden Tag beleidigte.

„Du hätteſt mich beleidigt?“

„Was anders that ich, indem ich dir ſtatt deines wahren Namens ſtets einen Ekelnamen gab?“ Bei dieſen Worten betrachtete die Mayeur den Schmied mit Schrecken. Sie zitterte bei der Vermuthung, daß er ihr trauriges Geheimniß wiſſe, trotz der von dem Fräulein em⸗ angenen egengeſetzten Verſicherung. Doch beruhigte ſie