„Unglückſeliger!“ rief der Cardinal betroffen und empört über dieſe Anſchuldigung. „Was unterſteht ſich dieſer Menſch zu ſagen?“
Er ſuchte ſich von dem Jeſuiten loszureißen, deſſen krumme Finger ſteif waren wie Eiſen. Rodin murmelte noch die Worte: „Ich bin vergiftet!“ und ſank in die Arme des Pater Aigrigny. So entſetzt auch der Cardinal war, er verlor nicht die Beſinnung und flüſterte dem Marquis zu: „Er glaubt, man wolle ihn vergiften. Er muß demnach etwas Geführliches im Schild führen.“
Die Thür des Saals ging auf, und Doctor Baleinier trat
ein. Bleich vor Schrecken lief die Fürſtin ihm entgegen und rief; „Ach, Herr Doctor! Der Pater Rodin hat plötzlich fürchterliche Zuckungen bekommen. Geſchwind! geſchwind!
„Zuckungen? — hat nichts zu bedeuten. Beruhigen Sie ſich, Frau Fürſtin.“ Mit dieſen Worten warf Baleinier ſeinen Hut auf ein Tiſchchen, und eilte zu der Gruppe, die den Sterbenden umgab.
„Hier iſt der Dortor!“ rief die Fürſtin.
Die beiden Kithenfürſten traten zurück, während Pater Aigrigny ſeinen auf den Stuhl niedergeſunkenen ehemaligen Svcius hielt.
Baleinier betrachtete mit zunehmendem Schrecken das Ge⸗ ſicht Rodin's, deſſen Farbe aus dem Grünen in's Bläuliche überging.
„Himmel! welches Symptom!“ rief er aus.
„Was iſt denn?“ fragten die Zuſchauer mit einem Mund.
„Was iſt?“ wiederholte der Arzt, zurückprallend, als ob er auf eine Schlange getreten hätte. „Das iſt die Cholera!
Das iſt anſteckend!“
Bei dieſem ſchrecklichen Zauberwort ließ Aigrigny ſeinen
4 Vorgeſetzten fahren. Rodin fiel vom Stuhl auf den Fuß⸗
teppich. 5 r iſt verloren!“ rief Baleinier. „Doch will ich fort und
holen, was zu einem letzten Verſuch nöthig iſt.“
ſtürzte er nach der Thür. Die Fürſtin von St. der Abbé Marquis von Aigrigny, der Biſchof und irdinäl angſtvoll ihm nach. An der Thür gab es ein


