Teil eines Werkes 
7. Band (1845)
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Rodin, über das Weſen dieſes Eindrucks ſich täuſchend, gerieth in Unwillen und rief, zuweilen durch beſchwerliches Athmen unterbrochen: „Iſt vas Mitleid mit dieſem gottloſen 1 Geſchlecht, was ich auf Ihren Geſichtern leſe? . . . Mitleid! 3 Mit dieſem Mädchen, welches nie einen Fuß in eine Kirche geſetzt hat und welches in ſeinem Hauſe Götzenaltäre errich⸗ 3 tet? Mitleid! . . . Mit dieſem Hardy, dieſem ſentimen⸗ 3 talen Läſterer, dieſen atheiſtiſchen Philantbropen, der in ſeiner

3 Fabrik keine Kapelle hatte und der ſich erfrechte, die Namen von Sokrates, von Mark Aurel, von Plato an den Namen unſeres Erlöſers zu heften und dieſen Jeſus, den gött⸗ lichen Philoſophen zu nennen? . . Mitleid! Mit dieſem

Brahma-Anbeter?. . .. Mitleid! . . . . Mit dieſem Paar Schweſtern, die nicht einmal die Taufe empfangen haben? Mitleid! . . . Mit dieſem Thier Jakob Rennepont? . . .

Mitleid! Mit dieſem dummen kaiſerlichen Soldaten, deſſen Gott Napoleon iſt, und deſſen Evangelium die Bülletins der großen Armee ſind? . Mitleid! Mit dieſer Renegatenfamilie, deren Vorfahr, ein ſchändlicher vückfülliger Sünder, nicht zu⸗ frieden, uns unſer Gut geſtohlen zu haben, noch aus ſeinem Grab nach anderthalb Jahrhunderten ſein verfluchtes Ge⸗ ſchlecht auffordert, das Haupt wider uns zu erheben? — Was? Um uns dieſes Otterngezüchts zu erwehren, ſollten wir nicht das Recht haben, ſie in dem Gift zu erſüufen, welches ſie ausſchwitzen? . . . Wahrlich, wahrlich, ich ſage euch, das heißt Gott dienen, das heißt ein heilſames Erempel ſtatuiren, wenn man vor aller Welt Augen dieſe gottloſe Familie gerade durch Entfeſſelung ihrer Leidenſchaften dem Schmerz, der Verzweifelung, dem Tode weiht!“

Rodin war ſchrecklich anzuſehen in ſeinem Grimm. Das Feuer ſeiner Augen ward noch blitzender. Seine Lippen waren trocken Kalter Schweiß rann über ſeine Schläfe, an welchen man den ſchnellen Puls bemerkte. Neue eiskalte Schauer überliefen ihn. Er ſchrieb dies zunehmende Un⸗ wohlſein dem Krummſitzen zu, denn er hatte einen Theil der Nacht geſchrieben. Einem neuen Anfall von Schwäche zu⸗ begegnen, ging er wieder ans Büffet, füllte ein zweites Glas Wein und leerte es auf einen Zug. Als er nach dem Tiſch zurück ging, ſagte der Cardinal: