Teil eines Werkes 
7. Band (1845)
Einzelbild herunterladen

—

iſt ein Vortheil. Aber die Wunde im Herzen wird ſie nicht hindern, zu erben.“ „Woher wiſſen Sie denn das?“ fragte Rodin mit kaltblü⸗ tiger Zuverſicht. Wiſſen Sie warum ich ſo viel gethan habe, erſt um ſie wider ihren Willen dem Prinzen zu nähern, und dann um ſie noch mehr wider ihren Willen von ihmzuentfernen?“ „Ich frage Sie, inwiefern dieſer Sturm von Leidenſchaften das Fräulein von Cardoville und den Prinzen hindern wird, zu erben,“ entgegnete Aigrigny. „Fährt der Blitz von einem heiteren oder von einem ſtür⸗ miſchen Himmel herab, wenn er einſchlägt?“ fragte Rodin in geringſchätzigem Ton. „Sein Sie ruhig; ich werde wiſſen wohin ich den Blitzableiter zu ſetzen habe.“ — Herr Hardy hat bisher für drei Dinge gelebt: für ſeine Arbeiter, für einen Freund, für eine Geliebte. Er hat drei Pfeile ins Herz bekommen. Ich halte immer auf's Herz. Das verſtößt wider kein Geſetz und iſt ſicher.“ „Es verſtößt wider kein Geſetz, es iſt ſicher, und es iſt löblich,“ ſprach der feiſte Biſchof. „Denn wenn ich recht ge⸗ hört habe, ſo hatte dieſer Fabrikant eine Beiſchläferin. Und eine böſe Leidenſchaft zur Beſtrafung des Frevlers zu benutzen, das iſt recht.“ „Kein Zweifel,“ bekräftigte der Cardinal. „Sie haben böſe Leidenſchaften, und man bedient ſich derſelben: das iſt ihre Schuld.“ „Unſere Mutter Sancta Perpetua hat aus allen Kräften zur Entdeckung dieſes abſcheulichen Ehebruchs beigetragen,“ bemerkte die Fürſtin. „Zugegeben,“ ſagte der Marquis, welcher nur Schritt für Schritt zurückwich. „Hardy iſt in dem angegriffen, was ſeinem Herzen am theuerſten war. Aber er iſt auch in ſeinem Ver⸗ mögen angegriffen und wird deshalb nur um ſo gieriger auf den fetten Biſſen der großen Erbſchaft ſein.“ Dieſer Einwand kam den beiden Prälaten und der Fürſtin erheblich vor. Alle ſahen Rodin mit geſpannter Aufmerkſam⸗ keit an. Anſtatt zu antworten, ging der Jeſuit an das Büffet, fing, wider ſeine Gewohnheit ſtviſcher Nüchternheit und trotz ſeiner Abneigung gegen den Wein, die Flaſchen zu unterſuchen an und fragte: „Was iſt darin?“