Teil eines Werkes 
7. Band (1845)
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nur ſchlummernde Gefühte des Ehrgeize es wecken. Ewr. Emi⸗ 3 nen hat vorhin ſehr treffend den Satz angedeutet: Jeder Reformator muß ehrgei zig ſein.“

Der Cardinal beſann ſich einen und ſagte: „Ich Spiige dieſen Gedanken. Mit ſeinen Vorzügen, mit ſeiner 6 Fähigkeit, auf die Menſchen zu wirken kann der Abbé Gabriel

3 och emporkommen — wofern er gelehrig iſt. Wo nicht, o iſt es beſſer für die Kirche, er befindet ſich in Rom als

hier. Denn Sie wiſſen, lieber Pater, zu Rom haben wir Sicherungsmittel, die in Frankreich leider fehlen. *)“

Es trat eine Stille von einigen Augenblicken ein. Dann nahm der Cardinal wieder das Wort und fragte den Pater Aigrigny: „Da wir eben vom Pater Rodin reden, — offen geſprochen: was halten Sie von ihm?“

„Ewr. Eminenz kennt ihn als einen fähigen Kopf,“ ant⸗ wortete Aigrigny mit unbehaglicher mißtrauiſcher Miene. „Unſer ehrwürdige Pater General — —“

„Hat ihn beanftragt, an Ihre Stelle zu treten,“ ergänzte“ der Cardinal. Ich weiß es; er hat mir's zu Rom geſagt. Aber was halten Sie von der Gemüthsart des Pater Rodin? Darf man ihm blindlings trauen?“

Zögernd antwortete der Marquis: „Dies iſt ein ſo durch⸗ greifender, hartnäckiger, verſchloſſener, undurchdringlicher Mann, daß es ſchwer hält, ein ſicheres Urtheil über ihn zu fällen.“

Abermaliges Schweigen. „ Halten Sie ihn für ehrgeizig?“ fragte der Cardinal. „Halten Sie ihn nicht anderer Abſichten fähig als des Strebens nach Vertherrlichung ſeines Ordens? Ich habe Grund zu fragen.“

„Ja — was meint Ewr. Eminenz?“ fragte Aigrigny ſeiner⸗ ſeits nicht ohne Mißtrauen, denn unter Leuten gleichen Schlags wird immer fein geſpielt. „Ihre eigne Beobachtung und die Berichte des Pater General könnten Ihnen ein Urtheil be⸗ 4

gründen“ Ja — ich denke, wenn ſeine ſcheinbare Ergebenheit für ſeinen Orden eine andere Abſicht verbergen könnte, dann

²) Man weiß, daß bis auf dieſe Stunde (1845) Not Inguiſition, Einſperrungen in pace u. dgl beſtehen.