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meinem Hauſe aufgenymmen und ihn in ſeinen letzten
Tagen getröſtet. Dies arme Geſchöpf hatte ſein ganzes
Leben lang geduldet und gearbeitet. Im Augenblick ſeines
Todes hat er kein Wort des Unwillens über ſein Loos
ausgeſprochen. Er hat ſich Gott befohlen, andächtig das
Crucifix geküßt, und ſeine einfache, reine Seele in die
Hände ſeines Schöpfers ausgehaucht. Ich habe ihm ach⸗
tungsvoll die Augen zugedrückt, habe ſelber ihn zur Erde
beſtattet, habe für ihn gebetet und ihn für würdig gehal⸗ ten, in die Ruheſtätte zu kommen, obwohl er im prote⸗ ſtantiſchen Glauben geſtorben war.“
„Immer beſſer!“ bemerkte der Cardinal. „Das iſt eine ſcheußliche Toleranz, ein ſchmählicher Angriff auf den das ganze Weſen des Katholicismus ausmachenden Grundſatz Außer der Kirche kein Heil!“
„Die Sache iſt um ſo bedenklicher,“ ſagte Aigrigny, „als die durchaus chriſtliche Sanftmuth, Milde und Hingebung des Abbé Gabriel nicht allein in ſeiner Gemeinde ſondern auch in den umliegenden Gemeinden eine wahre Begeiſterung für ihn erweckt haben. Die benachbarten Pfarrer ſind dem Strom gefolgt, und man muß geſtehen, ohne ſeine Mäßigung würde ein Schisma erfolgt ſein.“
„Aber was bezwecken Sie damit, daß Sie ihn uns vor⸗ führen?“ fragte der Prälat.
„Die Lage des Abbé Gabriel iſt eine verwickelte,“ ant⸗ wortete Aigrigny. „Erſtlich iſt er Erbe der Familie Renne⸗ pont — —“
„Hat er nicht ſeine Rechte abgetreten?“ unterbrach der Cardinal.
„Allerdings, und dieſe anfänglich an Formfehlern leidende Abtretung iſt ſeit Kurzem und zwar mit ſeiner Zuſtimmung vollkommen regelrecht gemacht worden. Er hatte geſchworen, möge kommen, was da wolle, ſeinen Antheil an jenem Ver⸗ mögen vollſtändig der Geſellſchaft Jeſu abzutreten. Dennoch glaubt S. Ehrwürden, der Pater Rodin, wenn Ewr. Eminenz dem Abbé Gabriel ſagte, er würde von ſeinen Vorgeſetzten ſeiner Stelle enthoben werden, und ihm zugleich eine hohe Stellung zu Rom vorſchlüge, ſo könnte man ihn vielleicht dazu bringen, daß er Frankreich verließe, und in ihm gewiſſe


