Teil eines Werkes 
7. Band (1845)
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ſo lange nichts an der beſtehenden Hierarchie geändert ſei, andererſeits aber ſie aufgefordert, von ihren Rechten als fran⸗ zöſiſche Bürger Gebrauch zu machen, um auf geſetzlichem Weg zu Dem zu gelangen, was er die Befreiung der niederen Geiſtlichkeit nennt. Nach ſeiner Behauptung ſind die Pfarr⸗ Geiſtlichen der Willkür der Biſchöfe Preis gegeben, die ſie interdiciren und ihnen ihr Brod nehmen ohne Appellativn und ohne Beſchränkung. ¹)

„Ei, das iſt ja ein wahrer katholiſcher Luther!“rief der Viſchof. Und der heilige Mann ſchlich auf den Fußſpitzen zum Büffet, ſchenkte ſich ein ſtattliches Glas Madera ein und tunkte dar⸗ in langſam einen Biſchofsſtab von Marzipan.

Angelockt von dem Beiſpiel fand der Cardinal für gut, unter dem Vorwand ſeine immer noch eiskalten Füße am Kaminfeuer zu wärmen, ſich ein Glas fürtrefflichen alten Malaga⸗ Weines anzubieten und ihn in langen Zügen mit der Miene tiefen Nachdenkens einzuſchlürfen. Nach dieſer Herzſtärkung ſagte er: „Alſo dieſer Abbé Gabriel ſtellt ſich als Reformator hin. Das muß ein ehrgeiziger Kopf ſein. Iſt er gefährlich?“

„Nach unſeren Angaben haben ihn ſeine Vorgeſetzten ſo befunden. Er hat Befehl erhalten, ſich hierher zu verfügen. Er wird bald kommen, und ich werde Ewr. Eminenz ſagen, warum ich ihn vorbeſchieden habe. Juvor aber hören Sie dieſe Zeilen an, in welchen die gefährlichen Be⸗ ſtrebungen des Abbe Gabriel auseinandergeſetzt ſind. Man hat ihm über mehre ſeiner Handlungen folgende Fragen vorgelegt, und er hat in folgender Weiſe darauf geantwortet. Und in Folge dieſer Antworten haben ſeine Vorgeſetzten ihn abgerufen.“

Nach dieſen Worten nahm Aigrigny aus ſeiner Brieftaſche ein Papier und las wie folgt:

„Frage. Iſt es wahr, daß Sie den Dienſt der Religion einem in ſchmählicher Unbußfertigkeit geſtorbenen Einwoh ner Ihrer Pfarrei, einem Selbſtmörder, erwieſen haben? ¹) Ein achtbarer und geachteter Geiſtlicher hat uns den Fall an⸗

eführt, daß ein armer junger Pfarrer, ohne gültigen Grund von einem Biſchof interdieirt, durch Hunger und Elent genöthigt war (verſteht ſich mit Verbergung ſeines Standes) neben ſeinem Bru⸗ der als Aufwärter in einem Kaffeehaus zu Lille Dienſt zu nehmen. —