Teil eines Werkes 
7. Band (1845)
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Die Fürſtin zuckte die Achſeln und fragte: „Iſt nicht S. Eminenz, der Herr Cardinal dei Malipieri, der Vorgeſetzte des Biſchofs Halfagen?“

„Allerdings, Frau Fürſtin.“

„Nun, nach den Regeln der Hierarchie kommt es Sr. Biſchöflichen Gnaden zu, von der Hitze zu leiden, und nicht Sr. Eminenz, von der Kälte zu leiden. Thun Sie alſo, was ich Ihnen ſage, und legen Sie Holz an. Die Sache iſt ganz natürlich. S. Eminenz iſt ein Italiäner und S. Biſchöfliche Gnaden ein Nordbrabanter. Daraus ergibt ſich, daß ſie an verſchiedene Temperaturen gewöhnt ſein müſſen.“

„Wie die gnädige Frau will,“ ſagte Frau Grivvis, in⸗ dem ſie zwei tüchtige Klötze ins Feuer ſchob. „Aber bei dieſer Hitze hier kann S. biſchöfliche Hochwürden erſticken.“

„Lieber Gott, mir geht es eben ſo. Ich finde es hier viel zu warm. Aber lehrt uns unſere heilige Religion nicht das Opfer und die Abtödtung des Fleiſches?“

Der Ausdruck der Hingebung, mit welchem die Fürſtin dieſe Worte ſprach, war rührend. Der Leſer weiß jetzt, warum ſie ſich ein wenig gefallſüchtig aufgeſchmückt hatte. Es galt den würdigen Empfang von Prälaten, welche in Verbindung mit dem Pater Aigrigny und andern Würdeträgern der Kirche bereits eine Art Coneilium im Kleinen bei der Fürſtin ge⸗ halten hatten. Eine Neuvermählte, welche ihren erſten Ball gibt, ein mündig geſprochener Minderjähriger, welcher ſeine erſte Junggeſellenmahlzeit gibt, eine geiſtreiche Frau, welche zum erſten Mal ihr erſtes ungedrucktes Werk vorlieſt, ſind nicht glücklicher, nicht ſtolzer, nicht zuvorkommender gegen ihre Gäſte, als die Frau Fürſtin von St. Dizier gegen ihre Prälaten war. Wichtige Sachen vor ihren Angen, in ihrer Wohnung verhandeln zu ſehen, — zu hören, wie ſehr befähigte Leute ſie um Rath fragten über praktiſche Anordnungen zur Beförderung des Einfluſſes der Frauenklöſter, das war etwas für die Fürſtin, was ihren Hochmuth zum Sterben aufblähte, denn Ihre Eminenzen und Ihre Hochwürden Gnaden beſiegel⸗ ten damit für immer ihren Anſpruch, ſo beiläufig als eine heilige Mutter der Kirche zu gelten. Darum hatte ſie auch für dieſe in und ausländiſchen Prälaten einen ganzen Sack voll ſalbungsvollen Schnack und ſcheinheilige Koketterien ausgekramt.