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„Kommen Sie, Prinz Charmant, und geben Sie mir, wie man in den Feenmährchen ſagt, meinen Strauß wieder.“ Sie nahm ihn und fuhr fort: „Sie haben ihn an Ihre Lippen gehalten. Ich hätte faſt Luſt ihn aufzufreſſen!“ Für ſich aber flüſterte ſie ſeufzend mit einem leidenſchaftlichen Blick auf Dſchalma: „Das Scheuſal Nini Muulin hat mich nicht be⸗ trogen. Alles iſt hier ſo ehrenhaft, daß ich mir nicht ſo viel vorzuwerfen habe.“ Und mit ihren kleinen weißen Zäh⸗ nen biß ſie die Spitze eines der roſigen Rägel ab an ihrer rechten Hand, wo ſie den Handſchuh ausgezogen hatte.
Wir brauchen wohl nicht zu ſagen, daß der Brief Adriana's dem Prinzen nicht eingehändigt worden, und daß dieſer keines⸗ wegs mit dem Marſchall Simon auf dem Land geweſen war. Seit den drei Tagen, wo Herr von Montbron Dſchalma nicht geſehen, hatte Faringhea dieſem eingebildet, wenn er eineandere Liebe zur Schau trüge, würde er das Fräulein von Eardo⸗ ville bezwingen. Ins Theater war Dſchalma geſchickt worden, weil Rodin durch Florinen erfahren hatte, daß ihre Gebieterin den Abend an die Martinspforte ginge.
Ehe Dſchalma ſie erkannt hatte, war Adriana in dem Ge⸗ fühl, daß ihre Kräfte ſie verließen, auf den Punkt geweſen, das Theater zu verlaſſen. Der Menſch, welchen ſie bis jetzt wie einen Gott und einen Helden in ihrem Herzen getragen, den ſie in eine ſo entſetzliche Verzweiflung verſunken geglaubt hatte, daß ſie aus zärtlichem Mitleid ihm aufrichtig geſchrieben, damit eine ſüße Hoffnung ſeine Schmerzen lindere — dieſer Menſch beantwortete einen edelmüthigen Beweis von Offen⸗ heit und Liebe damit, daß er ſich lächerlicher Weiſe mit einem ſeiner unwürdigen Geſchöpf zur Schau ſtellte. Für den Stolz Adrianens war das eine unheilbare Wunde. Ob Dſchalma ſie zum Zeugen dieſer Schmach machen wollte oder nicht, das galt ihr gleich. Als ſie ſich aber von dem Prinzen erkannt ſah, als ſie fand, daß dieſer den Schimpf ſo weit trieb, ihr ins Geſicht zu ſehen und ihr zum Hohn den Strauß des ihn begleitenden Geſchöpfs an ſeine Lippen zu prücken, da fand Adriana in ihrem edeln Unwillen den Muth und die Kraft zu bleiben. Anſtatt die Augen vor der Wirklichkeit zu verſchließen, empfand ſie ein grauſames Verßnügen, den Todeskampf und den Tod ihrer hohen reinen Liebe zu beobachten.
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