Teil eines Werkes 
7. Band (1845)
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Leben habe ich keinen ſo wunderſ

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„Und Sie finden dieſelben nicht ſehr merkwürdig?“ fragte die Marquiſe weiter.

„Meine Damen,“ nahm Herr von Morinval das Wort, „haben Sie einige Nachſicht mit dieſen Fremden. Sie kennen unſere Bräuche nicht, ſonſt würden ſie ſich nicht in ſo ſchlech⸗ ter Geſellſchaft vor ganz Paris breit machen.“

„Wahrhaftig!“ ſagte Adriana, „ihre Unbefangenheit iſt rührend. Man muß ſie beklagen.“

„Die Kleine da,“ ſagte die Marquiſe, „iſt unglückſelig reizend mit ihrem ausgeſchnittenen Kleid und ihren nackten Armen. Das Ding kann ſechzehn, höchſtens ſiebzehn Jahre alt ſein. Betrachten Sie es doch, Adriana. Es iſt wirklich Schade darum.“

„Liebe Julie,“ erwiderte Adriana, „Sie und Ihr Gemahl haben heute Ihren Tag der Barmherzigke muß die Indier beklagen — — man muß dies Geſchöpf beklagen. — Wir wollen einmal ſehen, wen wir noch weiter zu beklagen haben.“

„Den ſchönen Indier mit dem rothen Turban brauchen wir nicht zu beklagen,“ bemerkte der Marquis lachend. „Denn wenn das ſo fortgeht, wird die Kleine mit den kirſchrothen Bändern ihm noch um den Hals fallen. Auf Ehre! Sehn Sie einmal, wie ſie ſich zu ihrem Sultan hinneigt.“

„Sie ſind überaus unterhaltend,“ ſagte die Margquiſe, gleich ihrem Gemahl lachend und Roſe Pompon durch ihr Glas betrachtend. Nachdem ſie eine Minute lang hingeſehen, fuhr

ſie fort: „Eins iſt mir gewiß: trotz ihren leichtfertigen Mienen

iſt dieſe Kleine in den Indier vernarrt. Ich habe einen Blick von ihr erſpäht, der viel, ſehr viel ſagt.“ Wozu dies Spähen, gute Julie?“ ſagte Adriana ſanft.

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Was kann Ihnen daran liegen, in dem Herzen dieſes Mäd⸗ * 5

chens zu leſen?“ 4 Wenn ſie ihren Sultan liebt, ſo hat ſie Recht,“ be⸗

meikte der Marquis, ſeinerſeits lorgnirend. „In meinem ſchönen Menſchen getroffen, wie dieſen Indier. Ich ſehe nur ſein Profil. Aber dies Profil iſt rein und fein wie ein antiker Camee. Meinen Sie nicht, Fräulein? Verſteht ſich, iſt dies eine bloß äſthetiſche

Frage, die ich an Sie zu richten mir erlaube.“ vII. 8

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