Der große Saal des Theaters war von einer ungeduldigen Menge angefüllt. Mit Recht hatte Herr von Montbron zu dem Fräulein von Cardoville geſagt: Ganz Paris drängt ſich mit brennender Neugier zu den Vorſtellungen Moroks. Es verſteht ſich von felbſt, daß der Thierbändiger völlig auf den Handel mit dem frommen Tand vetzichtet hatte, den er in der Herberge zum Weißen Falken mit ſo gutem Erfolg be⸗ trieben, desgleichen auf die großen Wachstuchbilder, welche unter wunderlichen Formen die erſtaunlichen Wirkungen der plötzlichen Bekehrung Morok's vorſtellten. Dieſe veralteten Schelmenpoſſen würden zu Paris nicht gepaßt haben.
Morok machte ſich eben in einer ihm eingeräumten Schau⸗ ſpielerloge mit ſeinem Anzuge fertig. Ueber ſeinem Panzer⸗ hemd, ſeinen Arm- und Beinſchienen trug er einen Kaftan und weite Hoſen. Die Hoſen waren roth und an den Knöcheln mit vergoldeten kupfernen Spangen befeſtigt. Aehn⸗ liche Reife ſchloſſen an den Fauſtgelenken und an den Lenden den ſchwarzen mit Gold und Purpur durchwirkten Kaftan. Dieſe düſtere Tracht gab dem Thierbändiger ein noch un⸗ heimlicheres Ausſehen als er gewöhnlich hatte. Sein ſtarker gelber Bart wallte auf ſeine Bruſt herab. Um ſeine rothe griechiſche Mütze wand er mit ernſter Miene ein langes Stück weißen Muslin. In Deutſchland war er ein frommer Pro⸗ phet geweſen; in Paris war er Komödiant. Gleich ſeinen Beſchützern wußte Morok ſich in die Umſtände zu ſchicken.
Mit einer Art dummen Bewunderung ward er betrachtet von einem in einer Ecke der Loge ſitzenden Menſchen. Dieſer Menſch war Jakob Rennepont, genannt Liegganznackt. Seit dem Tag, wo das Feuer die Fabrik Hardy's verzehrt hatte, war er fortwährend bei Morok geblieben und hatte in beſſen Geſellſchaft jede Nacht mit Saufen zugebracht. Die eiſerne Natur des Thierbändigers blieb von den Folgen dieſer Aus⸗ ſchweifungen unberührt. Bei Jakob hingegen zeigten ſich die Spuren auf ſeinem Geſicht. Seine hohlen Wangen, ſein bleiches geſprenkeltes Geſicht, ſein bald matter bald in düſterem Feuer glühender Blick verriethen die Wirkungen ſeiner ſchmäh⸗ lichen Lebensweiſe. Ein bitteres Lächeln lag fiſt ſtets auf ſeinen trockenen Lippen. Der einſt ſo lebendige und luſtige Geiſt kämpfte noch ein wenig an wider die aus einer faſt
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