an die Martinspforte begleitet habe, auf eine halbe Stunde in den Club gehen muß, um dort für Lord Campbell zu ſtimmen, den ich vorgeſchlagen habe.“
„Adriana und ich blieben alſo allein im Schauſpielhaus, lieber Onkel?“
„Ich denke, Ihr Gemahl begleitet uns.“
„Richtig, lieber Onkel. Demohngeachtet verlaſſen Sie uns nicht zu lange.“
„Verlaſſen Sie ſich darauf, denn ich bin wenigſtens eben ſo neugierig wie Sie, die wilden Thiere zu ſehen und den berufenen Morok, den unvergleichlichen Thierbändiger.“
In den nächſten Minuten verließ die Kaleſche des Fräu⸗ leins von Cardoville die Elyſeiſchen Felder und ſchlug den Weg nach der Anjouſtraße ein. In dem Augenblick, wo das glanzvolle Fuhrwerk verſchwand, drängte ſich eine dichte Menſchenmaſſe um einen der großen Bäume auf den Elyſeiſchen Feldern. Hin und wieder ließen ſich in dem Haufen Ausrufungen des
Mitleids hören. Ein Spaziergänger trat zu einem jungen
Menſchen, der im äußerſten Kreis des Knäuels ſtand und fragte: „Was gibt's denn da?“ .
„Die Leute ſagen, ein armes Weibsbild, ein buckliges Mädchen ſei vor Erſchöpfung niedergefallen.
„Eine Bucklige! Ei wie Schade!“ erwiderte der Spazier⸗ gänger mit rohem Lachen. „Bucklige gibt's immer genug.“
Der junge Menſch konnte kaum ſeinen Unwillen zurück⸗ halten und verſetzte: „Bucklig oder nicht — ſie iſt im Be⸗ griff Hungers zu ſterben, und darüber iſt nichts zu lachen.“
„Hungers ſterben! hm!“ brummte der Spaziergänger achſel⸗ zuckend. „Nur das Lumpenpack, das nichts arbeiten will, ſtirbt Hungers, und das geſchieht ihm recht.“
Empört über die freche Herzloſigkeit dieſes Menſchen rief der junge Menſch: „Ich wette, es gibt einen Tod, deſſen Sie nie ſterben werden.“
Was wollen Sie damit ſagen?“ fragte der Spaziergän⸗
get, ſich in die Bruſt werfend.
„Ich will ſagen, daß Sie nie an einem zu weiten Herzen erſticken werden.“ .
„Herr!“ rief der Spaziergänger in zornigem Ton.
„Nun was?“ fragte der junge Mann mit feſtem Blick.


