Teil eines Werkes 
7. Band (1845)
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erwiderte er: „Werthes Fräulein, wir werden uns wahrſchein⸗ lich nie wiederſehen. Nur eins vergeſſen Sie nicht: ich recht⸗ fertige mich nie; das überlaß ich der Zukunft. Hiermit werthes Fräulein verbleibe ich dennoch Ihr ergebenſter Diener. — Herr Graf, ich erſterbe in tiefſter Ehrfurcht.“ Er ver⸗ beugte ſich vor dem Fräulein und noch tiefer vor dem Gra⸗ fen und ging weg.

Kaum hatte Rodin ſich entfernt, ſo eilte Adriana an ihren Schreibtiſch, ſchrieb haſtig einige Worte und verſiegelte das Briefchen. Hierauf ſagte ſie zum Herrn von Montbron: „Vor morgen will ich den Prinzen nicht ſehen, ſowohl aus Herzensaberglauben, als weil meine Abſichten erfordern, daß die Zuſammenkunft mit einer gewiſſen Feierlichkeit ſtattfinde. Sie ſollen Alles erfahren. Jetzt aber will ich ihn auf der Stelle durch dieſe Zeilen benachrichtigen, denn mit einem Feind wie Rodin muß man nach allen Seiten vorbauen.“

„Sie haben Recht, liebes Kind,“ ſagte der Graf. „Ge⸗ ſchwind den Brief!“

Adriana gab ihm denſelben und bemerkte: „Ich ſage ihm

darin ſo viel, als nöthig iſt, ſeinen Schmerz zu ſtillen, und nicht ſo viel, daß ich mich des Glücks beraubte, ihm auf morgen eine herrliche Ueberraſchung zu bereiten.“ „Ganz verſtändig und ſinnig. Ich eile zu dem Prinzen und laſſe ihm Ihr Billet übergeben. Ich ſelber will ihn nicht ſehen; ich könnte nicht für mich einſtehen. — Aber unſere Spazierfahrt und unſer Beſuch des Schauſpiels heut Abend — es bleibt doch dabei?“

„Gewiß. Mehr als je fühl' ich das Bedürfniß, mich bis zum nächſten Morgen zu betäuben. Und dann fühl' ich, die freie Luft wird mir wohlthun. Das Geſpräch mit Rodin hat mich ein wenig erhitzt.“

„Der alte Schurke! Wir werden weiter von ihm reden. Ich eile zu dem Prinzen und komme dann mit der Frau von Morinval zurück, um Sie nach den Elyſeiſchen Feldern ab⸗ zuholen.“

Der Graf von Montbron eilte hinaus eben ſo fröhlich, wie er traurig gekommen war. 3