Teil eines Werkes 
7. Band (1845)
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„Und von Vorausſetzungen zur Gewißheit,“ verſetzte Adri ana mit würdevoller Feſtigkeit. „Ja, jetzt glaube ich, ich habe mich eine Zeitlang von Ihnen täuſchen laſſen. Ich ſage Ihnen das ohne Haß und Zorn mit Bedauern. Es iſt peinlich zu ſehen, wie ein Mann von Ihrem Geiſt und Ver⸗ ſtand ſich zu ſolchen Ränken erniedrigt, und, nachdem er ſo viele hölliſche Springfedern in Bewegung geſetzt hat, am Ende bloß lächerlich wird. Denn nichts iſt lächerlicher für einen Mann wie Sie, als von einem Mädchen überwunden zu werden, deren einzige Waffe, Schutzwehr und Leuchte ihre Liebe iſt. Mit einem Wort, von heut an betracht' ich Sie als einen gefährlichen unverſöhnlichen Feind. Ich ſehe halb und halb Ihr Ziel, ohne zu errathen, durch welche Mittel Sie es erreichen wollen. Ohne Zweifel werden dieſe Mittel den bisherigen entſprechen. Trotz dem fürcht' ich Sie nicht. Morgen wird meine Familie von Allem unterrichtet werden, und eng an einander geſchloſſen werden wir auf unſerer Hut ſein. Offenbar handelt es ſich um die ungeheure Erbſchaft, welche man uns ſchon einmal beinahe geraubt hätte. Der Zuſammenhang zwiſchen dem, was ich Ihnen vorzuwerfen habe und zwiſchen jenem Zweck der Habſucht — er iſt mir ein Räthſel. Aber Sie ſelber haben mir ja geſagt, meine Feinde beſäßen eine ſo gefährliche Gewandtheit, ihre Kniffe ſeien immer ſo verdeckt, daß man auf Alles gefaßt ſein müſſe. Ich will dieſe Lehre nicht vergeſſen. — Ich habe Ihnen Offenheit verſprochen, und ich denke, in dieſen Wor⸗ ten liegt ſie.“

„Eine ſolche Offenheit wäre mindeſtens unklug, falls ich Ihr Feind wäre,“ erwiderte Rodin mit Ruhe. „Aber Sie haben mir auch einen Rath verſprochen.“

„Dieſer Rath iſt kurz der: Verſuchen Sie nicht einen Kampf gegen mich, denn Sie ſehen, es gibt etwas, das ſtärker iſt, als Sie und die Ihrigen: ein Weib, welches ſeine Ehre vertheidigt.“

Adriana ſprach die letzten Worte mit ſo ſtolzer Zuverſicht und mit ſo flammendem Blicke aus, daß Rodin trotz ſeiner phlegmatiſchen Keckheit einen Augenblick in Angſt gerieth. Aeußerlich ſchien er durchaus nicht aus der Faſſung gebracht zu ſein, und mit der Miene faſt verachtenden Bedauerns