Teil eines Werkes 
7. Band (1845)
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„In welchem Stück?“ verſetzte Adriana. „Haben Sie nicht ein tief verſchleiertes Geheimniß errathen? Haben Sie nicht verſtanden, in der Tiefe eines weiblichen Herzens zu leſen?“

„Ich, werthes Fräulein?“

„Sie, werther Herr. Freuen Sie ſich deſſen; Ihr Scharf⸗ blick hat die glücklichſten Wirkungen gehabt.“

„Und Ihre Wahrhaftigkeit hat Wunder gethan,“ ſagte der

„Es iſt wohlthuend für das Herz, Gutes zu wirken, ſelbſt unbewußt,“ erwiderte Rodin, der ſich ſtets vertheidigend ver⸗ hielt und mit ſcheuem Blick bald das Fräulein, bald den Grafen ausſpähte. „Könnte ich aber vielleicht erfahren, wor⸗ über man mich lobt?“

„Die Dankbarkeit verpflichtet mich, Sie davon zu unter⸗ richten,“ antwortete Adriana ſchalkhaft. „Sie haben entdeckt und dem Prinzen Dſchalma geſagt, daß ich — — jemand leidenſchaftlich liebte. Loben Sie Ihren Scharfblick: es war die Wahrheit.“

„Sie haben entdeckt und dem Fräulein geſagt, daß der Prinz Dſchalma — — jemand leidenſchaftlich liebte,“ fügte der Graf hinzu. „Loben Sie Ihren Scharfblick, mein lieber Herr: es war die Wahrheit.“

Rodin konnte vor Beſchämung kein Wort hervorbingen

„Der Jemand, den ich ſo leidenſchaftlich liebte, war der Prinz,“ ſagte Adriana.

„Der Jemand, den der Prinz ſo leidenſchaftlich liebte, war das Fräulein,“ ſagte der Graf.

Dieſe, Schlag auf Schlag erfolgenden Offenbarungen be⸗ täubten den Jeſuiten. Mit Schrecken gedachte er der Zukunft. Der Ton Adriana's ward immer ſpottender, indem ſie fort⸗ fuhr: „Begreifen Sie jetzt unſere Erkenntlichkeit? Ihrem Scharf⸗ blick, Ihrer rührenden Theilnahme für uns verdanken der Prinz und ich, daß wir über unſere wechſelſeitigen Gefühle aufgeklärt ſind.“

Der Jeſuit gewann allmählig ſeine kalte Beſonnenheit wieder. Seine ſcheinbare Ruhe erbitterten den Grafen, und wäre Adriana nicht zugegen geweſen, ſo würde er ſeinem Hohn eine andere Geſtalt gegeben haben.