„Durch meine Geiſtesſchwäche nöthig geworden ſei,“ ei gänzte Adriana. „Darauf war ich gefaßt.“
„Das iſt eine handgreifliche Dummheit; aber da Ihr Entſchluß, für ſich zu leben, Ihnen Feinde und Neider macht (warum, wiſſen Sie), ſo wird es nicht an Leuten fehlen, die gar ge⸗ neigt ſind, allen möglichen Dummheiten Glauben zu ſchenken.“
„Ich hoffe es. Ich finde es ſchmeichelhaft bei den Eſeln für närriſch zu gelten.“
„Ich ebenfalls. Zugleich aber find' ich es beluſtigend, den Eſeln im Angeſicht von ganz Paris zu beweiſen, daß ſie Eſel ſind. Ihr Verſchwinden füngt an Unruhe zu erwecken. Sie haben Ihre gewöhnlichen Spazierfahrten ausgeſetzt. In unſerer Loge im italiäniſchen Theater erſcheint ſeit geraumer Zeit niemand als meine Nichte. Sie wollen die Zeit bis morgen tödten. Ich biete Ihnen eine treffliche Gelegenheit. Es iſt zwei Uhr. Um halb vier ſoll meine Nichte mit ihrem Wagen hier ſein. Das Wetter iſt herrlich. Im Boulogner Wäldchen wird eine Maſſe von Menſchen ſich zuſammenfinden. Sie machen eine hübſche Spazierfahrt und laſſen ſich dort ſehen. Die freie Luft und die Bewegung werden Ihr Wonne⸗ fieber beruhigen. Und den Abend — da fange ich meine Zauberei an. Ich führe Sie nach Indien?“
„Nach Indien?“
„In einen der Urwälder, wo man Löwen, Panther und Tiger brüllen hört. Den Heldenkampf, welcher Sie vorhin ſo ſehr gerührt hat, werden wir in ſeiner ſchrecklichen Wirk⸗ lichkeit vor Augen haben.“
„Nicht wahr, Sie ſcherzen, lieber Graf?“
„Durchaus nicht. Ich verſpreche Ihnen, Sie ſollen wirk⸗ liche wilde Thiere, furchtbare Bewohner der Heimath unſeres Halbgottes, heulende Tiger und brüllende Löwen ſehen. Iſt das nicht ſo gut wie Ihre Bücher?“
„Aber — —“
„Ich will Ihnen nur geſchwind das Geheimniß meiner übernatürlichen Macht verrathen. Wenn Sie von der Spa⸗ zierfahrt zurückkommen, ſpeiſen Sie bei meiner Nichte, und nachher beſuchen wir zuſammen ein merkwürdiges Schauſpiel, welches an der Martinspforte gegeben wird. Ein Thierbän diger läßt hier wilde Thiere ſeheu in einem Wald (hier


