Teil eines Werkes 
7. Band (1845)
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ließ ſich herunter zum Eingang der Höhle. Der erſchöpfte

Schwarze ließ eben den Klotz los und ſtand auf dem

Punkt zerriſſen zu werden. Dſchalma ſprang auf den Tiger

zu und ſtreckte ihn mit zwei Hieben nieder.“

„Wundern Sie ſich nun noch über ſeine Aehnlichkeit mit dem Halbgott, dem ſelbſt die Fabel ſolchen Edelmuth nicht zuſchreibt?“ fragte Adriana entzückt.

„Ich wundere mich nicht mehr, ich bewundere,“ erwiderte der Graf gerührt. „Bei dieſen zwei edlen Zügen ſchlägt mein Herz ſo begeiſtert, als wenn ich erſt zwanzig Jahr alt wäre“

„Und das edle Herz dieſes Reiſenden hat geſchlagen wie das Ihrige bei dieſer Erzählung,“ ſagte Adriana. „Sie wer⸗ den es ſehen.“

Der Graf las weiter:

„ . Was die Unerſchrockenheit des Prinzen bewunde⸗ rungswürdig macht, iſt der Umſtand, daß nach den Grund— ſätzen der indiſchen Kaſten das Leben eines Sklaven von gar keiner Bedeutung iſt. Indem der Königsſohn ſein Leben an die Rettung eines ſo gering geſchätzten Geſchöpfs ſetzte, folgte er einem in dieſem Land unerhörten Antrieb von Menſchenliebe, ganz wie ſie das Chriſtenthum vor⸗ ſchreibt.

Mit Recht ſagte der Oberſt Drake: Zwei ſolche Züge genügen zur Schilderung eines Menſchen. Ich unbekannter Reiſender habe darum den Namen Dſchalma mit tiefer Achtung und Bewunderung in mein Buch geſchrieben. Doch konnte ich mich eines traurigen Gefühls nicht erwehren bei dem Gedanken, an die Zukunft dieſes fürſtlichen Jünglings in dieſem wilden ſtets vom Krieg verheerten Lande. Wenn ich dieſem, der Heldenzeiten würdigen Charakter nur eine beſcheidene Huldigung darbringen kann, ſo wird doch ſein Name mit Begeiſterung wiederholt werden von allen Seelen, die Gefühl haben für das Große und Edle.“

„Vorhin,“ bemerkte Adriana, „als ich dieſe einfachen Zei⸗ len las, konnte ich nicht umhin meine Lippen auf den Namen dieſes Reiſenden zu drücken.“

„Ja, hier finde ich mein Urtheil über ihn beſtätigt,“ ſagte der Graf, indem er dem Fräulein das Buch zurückgab.