wieder ſo völlig, daß ſelbſt ihre zitternden Lippen ſich ent
färbten. Ihre Gemüthsbewegung war ſo heftig, daß ſie einige Augenblicke ſtumm blieb und die Hände auf ihr Gerz legte, — wie um die Schläge desſelben zu mäßigen.
Der Graf erſchrack über die plötzliche Veränderung in dem Geſicht des Fräuleins. Er trat zu ihr und rief: „Mein Gott! Was iſt Ihnen denn, armes Kind?“
6 Anſtatt ihm zu antworten, winkte ihm Adriana mit der Hand, wie um ihn zu beruhigen Ihr ſchönes Geſicht, eben noch durch Schmerz, Spott und Verachtung gewiſſermaßen entſtellt, ſchien unter den ſanfteſten Empfindungen wieder
5 ſeinen gewohnten lieblichen Ausdruck anzunehmen. Sie ſchien ſich in dieſen wonnigen Empfindungen zu gefallen und nicht das Geringſte davon verlieren zu wollen. Endlich aber ſtieg
ihr der Zweifel auf, daß Sie getäuſcht ſein möge, und rief ängſtlich: „Was Sie mir ſagen, iſt doch währ? Wenig⸗ ſtens — — —“
„Was ich Ihnen ſage?“
„Ja, daß der Prinz Dſchalma — —“
„Sie wie wahnſinnnig liebt. Ach! es iſt nur zu wahr.“ „Nein! Nein!“ rief Adriana mit bezaubernder Unbefangen⸗ heit. „Das kann nie zu wahr ſein!“
„Was ſagen Sie?“
„Aber dies — — Weib?“ fragte Adriana, als ob ihr das 1 Wort auf den Lippen brennte.
* „Welches Weib?“ „Die Urſache ſeines Seelenleidens.“
„Dies Weib? Wer anders ſollte es ſein, als Sie?“ „Ich! Ja, ich. Nicht wahr? Niemand anders als ich!“ „Auf Ehre. Trauen Sie meiner Erfahrung. Noch nie
habe ich eine aufrichtigere, rührendere Leidenſchaft geſehen.“ „O, nicht wahr, er hat nie eine andere Liebe im Herzen
. gehabt als zu mir?“ „Nie.“
„Und doch hat man mir geſagt — —.“
„Wer?“
. „Herr Rodin.“ *
i „Daß Dſchalma — —?“


