2 . ————
ich habe nichts erfahren, während Sie einem Andern Alles
— * — — — geſagt haben. Das iſt mir ſchmerzlich, ſehr ſchmerzlich.“
„Herr von Montbron, ich verſtehe Sie nicht.“
„Wozu noch weitere Umſchweife?“ rief der Graf. „Ich ſehe, * es iſt keine Hoffnung mehr für den armen Jungen. Sie 1 . * lieben Jemand. — — O! Sie brauchen es nicht zu leugnen.
Ihre Traurigkeit ſeit einigen Tagen, Ihre unerbittliche Gleich⸗ gültigkeit gegen den Prinzen — Alles beweiſt mir, daß Sie . lieben.“
Das Fräulein fühlte ſich verletzt durch die Weiſe, in wel⸗ cher der Graf von dem ihr zugeſchriebenen Gefühle ſprach.
5 t
„Herr von Montbron,“ entgegnete ſie ſtolz, „Sie müſſen 5 wiſſen, daß ein erlauſchtes Geheimniß keine vertrauliche Mit⸗ . theilung iſt. Ihre Sprache ſetzt mich in Erſtaunen.“ .
„Theure Freundin, wenn ich Gebrauch mache von dem traurigen Vorrecht der Erfahrung, wenn ich errathe und 6
Ihnen ſage: Sie lieben; wenn ich Ihnen dieſe Liebe zum Vorwurf mache ſo geſchieht es, weil es ſich ſo zu ſagen um Leben und Tod bei dem armen Prinzen handelt, welcher, wie Sie wiſſen, mir jetzt ſolche Theilnahme einflößt, als ob er mein Sohn wäre. Es iſt unmöglich, ihn zu kennen, ohne ein zärtliches Mitgefühl für ihn zu hegen.“
Mit verdoppelter Kälte und bitterer Jronie entgegnete Adriana: „Es wäre ſeltſam, wenn meine Liebe — geſetzt, ich hegte eine ſolche — eine ſo eigenthümliche Wirkung auf den Prin⸗ 1 zen Dſchalma hervorbrächte. Was kann ihm daran liegen, wenn ich liebe?“
„Was ihm daran liegt? Liebe Freundin, erlauben Sie mir es zu ſagen: Sie treiben grauſamen Scherz. Der un⸗ glückliche Jüngling liebt Sie mit dem ganzen Feuer einer erſten blinden Leidenſchaft. Schon zwei Mal hat er den Qualen dieſer Leidenſchaft durch Selbſtmord ein Ende machen wollen. Und Sie finden es ſeltſam, daß Ihre Liebe zu einem Andern für ihn eine Frage über Leben und Tod iſt!“ „Er liebt mich?“ rief Adriane in einem Ton, der ſich nicht beſchreiben läßt.
Ich ſage Ihnen: zum Sterben! Ich habe ihn geſehen.“ Adriana machte eine Gebärde der Beſtürzung. Ihre Bläſſe verwandelte ſich in Purpurröthe. Dieſe Röthe verſchwand


