den erſten Theil des Lebens der heiligen Magdalena voll⸗ endet?“
„Liebes Kind, Sie können ihr nie ſo viel Böſes nachſagen, wie ſie wirklich thut. Indeß habe ich (freilich aus ganz an⸗ dern Gründen wie ſie) ihre Meinung in Betreff Ihrer Laune, für ſich zu leben, getheilt.“
„Ich weiß es.“
„Eben weil ich Sie noch tauſendmal freier zu ſehen wünſchte als Sie ſind, habe ich Ihnen gerathen . . .“
„Zu heirathen.“
„Und ſo würde Ihre theure Freiheit mit ihrem Anhang, anſtatt Fräulein von Cardoville, geheißen haben Frau von .. wie Sie wollen. Wir wollten Ihnen einen trefflichen Gatten gefunden haben, welcher verantwortlich geweſen wäre für Ihre Unabhängigkeit.
„Und wer würde für dieſen lächerlichen Ehemann verant⸗ wortlich geweſen ſein? Wer würde ſich erniedrigt haben, einen von Allen verſpotteten und verhöhnten Namen zu führen? Ich etwa? Nein, lieber Graf. Im Guten und im Böſen bin ich allein ſtets für meine Handlungen verantwortlich. An meinen Namen ſoll ſich eine gute oder ſchlechte Meinung knüpfen, die ich allein begründe. Es wäre mir eben ſo wenig möglich, einen Namen zu entehren, der nicht der meine iſt, wie einen Namen zu führen, der nicht ſtets mit Hochachtung genannt würde. Und da man nur für ſich bürgen kann, ſo behalt' ich meinen Namen.“
„Kein Menſch in der Welt außer Ihnen hat ſolche Ge⸗ danken.“
„Warum?“ fuhr Adriana lachend fort. „Weil es mir widerlich vorkommt, zu ſehen, wie ein armes Mädchen einem recht häßlichen und ſelbſtſüchtigen Manne gleichſam einver⸗ leibt wird und, wie man ernſthaft ſagt, die Hälfte dieſes garſtigen Dings — eine friſche Roſe die Hälfte einer ab⸗ ſcheulichen Diſtel wird. Geſtehen Sie es nur, lieber Graf, in dieſer ehelichen Seelenwanderung iſt etwas überaus wi⸗ derliches.“
Adriana lachte nach dieſen Worten laut auf. Ihre er⸗ künſtelte, fieberhafte Luſtigkeit ſtand im grellen Widerſpruch mit der Bläſſe und dem angegriffenen Ausſehen ihres Geſichts.


