Teil eines Werkes 
7. Band (1845)
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drückt, durchlas ſie, oft zerſtreut, eins der neulich gekauften Werke. Plötzlich ſtieß ſie einen leiſen Ausruf der Ueber⸗ raſchung aus. Die Hand, mit welcher ſie das Buch hielt, zitterte; und von nun an ſchien ſie mit geſpannter Aufmerk⸗ ſamkeit und leidenſchaftlicher Neugier zu leſen. Begeiſterung ſtrahlte aus ihren Augen. Ihr Lücheln ward unbeſchreiblich ſüß. Sie ſchien ſtolz, glücklich, bezaubert zu ſein. Aber in dem Augenblirk, wo ſie ein letztes Blatt umwandte, drückte ihre Miene Verdruß und getäuſchte Erwartung aus. Sie begar von neuem zu leſen. Diesmal aber geſchah es mit bedächtiger Langſamkeit. Sie buchſtabirte ſo zu ſagen jedes Wort. Von Zeit zu Zeit hielt ſie inne, ſtützte den Kopf in die Hand und ſchien in tiefe Betrachtungen verſunken über die Stellen, welche ſie mit Luſt und Liebe geleſen. Bei einer Stelle war der Eindruck ſo groß, daß eine Thräne in ihrem Auge glänzte. Sie wandte ſchnell das Buch um, ſah auf dem Umſchlag nach dem Namen des Verfaſſers, betrachtete ihn einige Augenblicke mit dem Ausdruck des Danks und drückte endlich den Unſchlag an ihre Lippen. Mehrmals wiederholte ſie die Leſung der Zeilen, welche ſolchen Eindruck

auf ſie hatten; und am Ende verfiel ſie in ſo tiefes Sinnen, daß ihr das Buch aus den Händen auf die Vor⸗ lage fiel. —

Während dieſer Träumerei fiel ihr Blick zufällig auf ein

herrliches Basrelief, welches auf einem Geſtell von Eben⸗ holz in der Nähe eines Fenſters ſtand. Dies Kunſtwerk, kürzlich nach einem, von einer Antike Gypsab⸗ druck in Erz gegoſſen, ſtellte in ſeltener Vollendung den Triumph des indiſchen Bacchus vor. Der junge Eroberer, halb bekleidet mit einer Löwenhaut, welche die Reinheit ſeiner jugendlichen Formen zu bewundern verſtattete, ſtrahlte von göttlicher Schönheit. Auf einem von Tigern gezogenen Wagen mit ſtolzer und doch ſanfter Miene ſtehend, ſtützte er die eine Hand auf den Thyrſus und mit der andern lenkte er in ruhiger Majeſtät ſein wildes Geſpann. An der ſeltenen Miſchung von Anmuth, Kraft und Ruhe erkannte man den Helden, welcher ſchwere Kämpfe mit den Menſchen und mit den Ungethümen des Waldes beſtanden hatte. Das Licht, welches von der Seite auf das Bild ſiel, ließ das mehr als