—
Sie für eine leichte, ihrer Gier, ihrem Eigennutz, ihrer dum⸗ men Selbſtgefälligkeit heimgefallene Beute anſehen. Machen Sie dieſe albernen und ſchmutzigen Anſprüche zu Schanden. Seyn Sie Königin dieſer Welt und würdig, als Königin ge⸗ achtet zu werden. Lieben Sie, glänzen Sie, genießen Sie. Das iſt Ihre Rolle hienieden. Zweifeln Sie nicht daran, all die Blüthen, mit welchen Gott Sie überſchüttet, werden eines Tages herrliche Früchte tragen. Sie werden glauben, dem Vergnügen gelebt zu haben, und in der That werden Sie für das edelſte Ziel gelebt haben, welches eine große und ſchöne Seele erſtreben kann. In einigen Jahren werden wir uns vielleicht wieder begegnen, Sie noch ſchöner und ge⸗ feierter, ich noch älter und Anbeachteter. Und trotz dieſer Verſchiedenheit ſagt Ihnen doch jetzt gewiß eine geheime Stimme, daß zwiſchen uns ein verborgenes Band, eine ge⸗ heimnißvolle Gemeinſchaft beſteht, welche fortan durch nichts zerſtört werden kann.“
Dieſe letzten Worte ſprach Rodin in ſo ergreifendem Ton, daß Adriana wie von einem Schauder durchrieſelt wurde, und dabei war er ihr, ohne daß ſie bemerkte wie, nahe ge⸗ kommen, indem er ſchlangenartig über den Boden wegſchlüpfte. Er hatte mit ſolchem Schwung und ſolcher Wärme geſprochen, daß ſein farbloſes Geſicht leicht geröthet war, und daß ſeine abſtoßende Häßlichkeit faſt verſchwand vor dem funkelnden Glanz ſeiner kleinen gelbbraunen Augen, die jetzt völlig ge⸗ öffnet rund und auf das Fräulein unwandelbar geheftet waren. Dieſe, vorwärts gebeugt mit halb geöffneten Lippen, konnte ihrerſeits den Blick nicht von dem Jeſuiten abwenden. Er ſprach nicht mehr, und ſie horchte noch. Die Empfindung dieſes ſchönen feingebildeten Mädchens beim Anblick dieſes kleinen, ſchwächlichen, häßlichen, ſchmutzigen Greiſes war un⸗ erklärlich. Die Vergleichung mit dem furchtbaren Zauber, den die Schlange über den Vogel übt, mag abgedroſchen er⸗ ſcheinen, aber ſie iſt wahr und kann allein eine Vorſtellung von dieſem eigenthümlichen Eindruck geben.
Die Taktik Rodins war gewandt und ſicher. Bis dahin hatte Adriana keine Betrachtungen über ihren Geſchmack und ihre Neigungen angeſtellt. Sie hatte ſich denſelben hinge⸗ geben weil die Befriedigung derſelben ſie glücklich machte und


