Teil eines Werkes 
5. Band (1844)
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wollten. Das fanden jene Menſchen haſſenswerth, vſeuuc, unſittlich! Und doch — war Ihr Entſchluß von einer tollen Freiheitsluſt eingegeben? von einem regelloſen Widerwillen gegen jedes Joch, jeden Zwang? Nein. Von dem Wunſch, 53 den weiblichen Sonderling zu ſpielen? Nein; denn ſonſt würd'

ich Sie ſchwer getadelt haben.“

„Ich kann Sie wirklich verſichern, daß andere Gründe mich beſtimmt haben,“ betheuerte Adriana, der es jetzt ſehr auf die Achtung ankam, welche ihr Weſen dem Herrn Rodin ein⸗ flößen könnte.

„Ich weiß es,“ erwiderte der Jeſuit. „Ihre Gründe konnten nicht anders als löblich ſeyn. Warum haben Sie dieſen ſo angefochtenen Entſchluß gefaßt? Etwa um dem Herkommen zu trotzen? Nein. Sie haben daſſelbe geachtet, ſo lange bis der Haß der Fürſtin Sie gezwungen hat, ſich ihrer uner⸗ träglichen Vormundſchaft zu entziehen. Wollen Sie allein leben, um jeder Aufſicht zu entgehen? Nein. Bei dieſer ganz ungewöhnlichen Weiſe zu leben, ziehen Sie nur um ſo mehr die Augen auf ſich. Wollen Sie endlich Ihre Freiheit übel

anwenden? Nein. Wer Uebles thun will, ſucht das Dunkel auf und die Einſamkeit; Sie aber in Ihrer Stellung müſſen alle eiferſüchtigen und neidiſchen Augen des gemeinen Hau⸗ fens ſtets auf ſich gerichtet ſehen. Warum alſo faſſen Sie dieſen ſo muthvollen, ſo ſeltnen, bei einer Perſon von Ihrem Alter ſo einzig daſtehenden Entſchluß? Soll ich es Ihnen ſagen, werthes Fräulein? Sie wollen durch Ihr Beiſpiel zei⸗ gen, daß jedes Weib von reinem Herzen, geradem und feſtem Sinn und unabhängigem Gemüth ſtolz ſich der erniedrigenden Vormundſchaft entledigen kann, welche das Herkommen ihm auflegt. Anſtatt ſich das Leben einer empörten Selavin ge⸗ fallen zu laſſen, ein Leben, welches nothwendig der Heuchelei oder dem Laſter verfällt, wollen Sie vor den Augen Aller unabhängig, ehrenhaft und geachtet leben. Kurz Sie wollen wie der Mann freien Willen, die vollſtändige Verantwort⸗ lichkeit für alle Handlungen Ihres Lebens haben, um zu be⸗ weiſen, daß ein ganz ſich ſelber überlaſſenes Weib dem Mann an Vernünftigkeit, Verſtand und Geradheit gleichkommen und an Zartgefühl und Würde ihn übertreffen kann. Das iſt Ihre Abſicht, werthes Fräulein Ihr Beiſpiel iſt edel und

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