Teil eines Werkes 
5. Band (1844)
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„So ſehr,“ antwortete das Fräulein, entzückt, ſich ſo gut begriffen oder errathen zu ſehen, „ſo ſehr, daß ich eines Tags

auf ein Meiſterſtück der Goldarbeiterkunſt ſtatt des Namens

des Verkäufers den Namen des Urhebers eingraben ließ, eines armen bis dahin unbekannten Handwerkers, der ſeitdem die ihm gebührende Stellung erlangt hat.“

„Sie ſehen, ich habe mich nicht getäuſcht,“ fuhr Rodin fort. „Die Liebe zu dieſen Genüſſen macht Sie dankbar ge⸗ gen Die, welche ſie Ihnen verſchaffen. Und das iſt noch nicht Alles. Sehn Sie z. B. mich an. Ich bin nicht beſſer und nicht ſchlechter als ein Anderer, aber gewohnt unter Entbeh⸗ rungen zu leben, die mir nicht im Geringſten ſchmerzlich ſind. Mich können die Entbehrungen meines Nächſten viel weniger rühren als Sie, liebes Fräulein, denn Ihre Gewöhnung an Wohlleben macht Sie nothwendig viel mitleidiger als jeden Andern gegen das Unglück. Das Elend würde für Sie viel zu ſchmerzlich ſeyn, als daß Sie nicht Diejenigen, welche es lei⸗ den, bedauern und unterſtützen ſollten.“

„Wahrhaftig!“ rief Adriana, welche von dem Zauber Ro⸗ dins mehr und mehr beſtrickt ward, „je länger ich Sie an⸗ höre, deſto feſter wird meine Ueberzeugung, daß Sie tauſend⸗ mal beſſer als ich die Anſichten vertheidigen, welche mir von meiner Tante und von dem Abbé Aigrigny mit ſo viel Härte zum Vorwurf gemacht worden ſind. O, ſprechen Sie weiter! Ich kann Ihnen nicht ſagen, mit welcher Wonne, mit welchem Stolz ich Ihnen zuhöre.“ Und mit Spamung und Rührung heftete ſie die Augen auf den Jeſuiten und warf mit einer ihr eigenthümlichen anmuthigen Bewegung des Kopfes ihre langen goldenen Locken zurück, gleichſam um den Redner beſ⸗ ſer betrachten zu können.

Rodin fuhr fort: „Und Sie wundern ſich, daß Sie von Ihrer Tante und von dem Abbé Aigrigny nicht begriffen worden ſind! Welchen Berührungspunkt haben Sie mit die⸗ ſen heuchleriſchen, neidiſchen, verſchlagenen Menſchen, wie ich ſie jetzt beurtheilen kann? Wollen Sie einen neuen Beweis von ihrem blinden Haſſe haben? Welche war die verdam⸗ menswertheſte unter Ihren angeblichen Tollheiten? Die daß Sie in Zukunft allein nach Ihrer Weiſe leben, daß Sie frei und unabhängig über Ihre Gegenwart und Zukunft verfügen