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der Selaverei unabhängig ſeyn wollten mit den ehrenhaften Eigenſchaften der Unabhängigkeit, frei mit den ſtolzen Tu⸗ genden der Freiheit!“
Bei ihrer zunehmenden Verwunderung konnte Adriana nicht
länger die Frage zurückhalten: „Aber wie iſt es möglich, daß Sie mit meinen Gedanken ſo vertraut ſind?“
„Erſtlich,“ antwortete Rodin, „kenne ich Sie vollſtändig durch Ihr Geſpräch mit der Fürſtin von St. Dizier, und dann,“ fuhr er mit einem Blick des Einverſtändniſſes fort, „wenn wir vielleicht daſſelbe Ziel nur auf verſchiedenen We⸗ gen verfolgten, warum ſollten unſere Ueberzeugungen nicht dieſelben ſeyn?“
„Ich verſtehe Sie nicht. Welches Ziel meinen Sie?“ „Das Ziel, welches alle edlen, unabhängigen Seelen un⸗ abläſſig verfolgen. Die einen handeln wie Sie, werthes Fräulein, ihrem Natuttrieb folgend, ohne ſich vielleicht Re— chenſchaft zu geben von dem hohen Beruf, den ſie zu erfüllen haben. Zum Beiſpiel wenn Sie ſich in den feinſten Ge⸗ nüſſen gefallen, wenn Sie ſich mit Allem umgeben, was Ihren Sinnen ſchmeichelt, meinen Sie, daß Sie hierbei bloß dem Reiz des Schönen folgen? einem Bedürfniß nach aus⸗ geſuchten Genüſſen? Nein. In dieſem Fall wären Sie ein unvollkommenes Geſchöpf, nur auf ſich bedacht, eine trockene Egviſtin von feinem Geſchmack und weiter nichts. Und in Ihrem Alter wäre das widerwärtig, liebes Fräulein, höchſt widerwärtig!“
„Füällen Sie dieß ſtrenge Urtheil über mich?“ fragte Adriana ängſtlich, indem ſie ſich ſchon unwillkürlich unter das Urtheil dieſes Menſchen beugte.
„Gewiß würde ich es über Sie fällen, wenn Sie den Lurus um des Lurus willen liebten. Aber nein! Ihre Ge⸗ ſinnung iſt eine ganz andere. Nicht wahr, wenn Sie das Bedürfniß nach all dieſen Genüſſen empfinden, ſo empfinden Sie auch lebhafter als irgend jemand den Werth oder den Mangel derſelben?“
„Ganz gewiß,“ antwortete Adriana.
„Demnach fühlen Sie auch Dank und Theilnahme für die unbekannten fleißigen Armen, die Ihnen dieſe unentbehrlichen Wunder des Lurus verſchaffen?“ 8


