Teil eines Werkes 
5. Band (1844)
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nach dem Bericht des Doetor Baleinier der beunruhigende

ſich ſagt: Wie Schade iſt es doch, daß ein ſolcher Geiſt, eine ſolche Seele in einem ſo wenig entſprechenden Körper woh⸗ nen! Und man wird gerührt durch dieſen Gegenſatz. Eine ſolche Stimmung begann ſich jetzt im Fräulein von Cardoville gegen Rodin zu bilden. So grob er ſich dem Doctor Baleinier gegenüber gezeigt hatte, ſo liebevoll und anſpruchlos ſtellte er ſich vor Adriana hin. Was für Letztere noch ein ihre Neugier ſpannendes Räthſel blieb, das war die Art und Weiſe, wie Rodin dazu gekommen war, von ſolcher Bewun⸗ derung und Ergebenheit für ſie erfüllt zu werden. „Verzeihen Sie meine unziemliche Neugier,“ ſagte ſie; „aber ich möchte wiſſen — —“

„Wie Ihr innerſtes Weſen mir offenbar geworden iſt, nicht wahr? Lieber Himmel! nichts iſt einfacher. Mit zwei Worten: der Abbé Aigrigny ſah in mir bloß ein gedanken⸗ loſes, ſtummes, blindes Werkzeug — —“

„Ich hätte dem Herrn Marquis mehr Scharfblick zuge⸗ traut,“ bemerkte Adriana artig. 5

„Liebes Fräulein, der Marquis iſt allerdings ein Mann von unerhörtem Scharfblick; aber ich habe ihn getäuſcht, in⸗ dem ich mich mehr als einfältig ſtellte. Halten Sie mich darum nicht für falſch. Ich bin ſtolz, ja ſtolz in meiner Weiſe, und mein Stolz beſteht darin, nie weniger fähig zu er⸗ ſcheinen, als meine Stellung erheiſcht, ſo untergeordnet dieſe auch ſeyn mag. Wiſſen Sie auch warum? So hochmüthig dann auch meine Vorgeſetzten ſeyn mögen, ſo kann ich mir alsdann doch ſagen: Sie kennen meinen Werth nicht. Was ſie demüthigen, iſt meine Niedrigkeit, nicht meine Perſon. — Dabei habe ich einen doppelten Vortheil; meine Eigenliebe wird nicht gekränkt und ich brauche Niemanden zu haſſen.“

„Ja, ich begreife dieſen Stolz,“ ſagte Adriane, mehr und mehr die Eigenthümlichkeit Rodins bewundernd.

„Aber laſſen Sie uns auf das zurückkommen, was Sie, Fräulein, angeht. Am 12. Februar übergab mir der Herr von Aigrigny ein ſtenographirtes Papier und ſagte: Schrei⸗ ben Sie dies Verhör ab und fügen Sie die Bemerkung bek, daß dies Doecument dient zur weiteren Begründung der Entſcheidung eines Familienrathes, welche beſagt, daß