Teil eines Werkes 
5. Band (1844)
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haben, Ihr Wille unabhängig und ſtolz iſt. Sobald ich aber einmal Ihnen angehörte, konnten auch die Ihrigen, welche an und für ſich ſchon der Theilnahme werth ſind, mir nicht gleichgültig ſeyn. Dieſen Ihren Angehörigen dienen, hieß Ihnen, Fräulein, dienen.“

„Aber,“ fragte Adriana weiter, „angenommen, Sie hiel⸗ ten mich der viel zu ſchmeichelhaften Lobſprüche, die Sie mir geben, wirklich werth, wie ſind Sie zu einem Ur⸗ theil über mein Herz, meinen Sinn und meinen Willen ge⸗ kommen.“

„Ich will es Ihnen ſagen. Zuvor aber muß ich abermals ein Bekenntniß ablegen, das mich mit großer Scham erfüllt. Nicht wahr, auch wenn Sie nicht ſo wunderſam begabt wären, würden die Leiden, welche Sie in dieſem Haus ausgeſtanden haben, Ihnen ſchon Anſpruch auf die Theilnahme jedes Men⸗ ſchen, der ein Herz hat, geben?“

„Ich glaube wohl.“

„Ich könnte alſo meine Theilnahme für Sie hieraus er⸗ klären. Indeß, ich geſtehe, dies war mir nicht genug Sie hätten Fräulein von Cardoville ſeyn dürfen, ſehr reich, ſehr vornehm, ſehr ſchön, und wenn mich auch Ihr Unglück ſehr gedauert hätte, ſo würde ich mich begnügt haben zu ſagen:

Das Fräulein iſt allerdings ſehr zu beklagen; aber was kann

ich thun? Ich habe keine andere Erwerbsquelle als meine Stelle bei dem Abbé Aigrigny, und ihn müßte ich angreifen. Er iſt allmächtig und ich bin eine Null. Gegen ihn an⸗

kämpfen, heißt mich zu Grunde richten ohne Hoffnung, dieſe

Unglückliche zu retten. So wie ich aber Ihr Weſen kannte, da, Fräulein, habe ich mich in meiner untergeordneten Stel⸗ lung empört. Nein, ſagte ich, nein! ein ſo verſtändiger Geiſt, ein ſo großes Herz ſoll nicht das Opfer eines ſchänd⸗ lichen Anſchlags werden. Vielleicht unterliege ich im Kampf, aber verſuchen will ich dieſen Kampf wenigſtens.“

Rodin ſprach dieſe Worte mit einer bewundernswerthen Miſchung von Feinheit, Kraft und Gefühl. Bei widerlichen und abſtoßenden Menſchen geſchieht es oft, daß, wenn es ihnen einmal gelungen iſt, den Abſcheu vor ihrer Häßlichkeit zu beſeitigen, eben dieſe Häßlichkeit zu ihren Gunſten ein

Grund des Mitleids und der Theilnahme wird, indem man „