Teil eines Werkes 
5. Band (1844)
Einzelbild herunterladen

— 66

Rodin hatte ſo ganz von freien Stücken ſeinen Fehler ge⸗ ſtanden, er erklärte ihn ſo natürlich, er ſchien ſo aufrichtig darüber zerknirſcht zu ſeyn, daß Adriana, deren Argwohn auf nichts weiter als dem Inhalt dieſes Geſtändniſſes beruhte, ihr Mißtrauen bedeutend abnehmen ſah. Sie faßte den Er- Secretär ſcharf ins Auge und fragte ihn: „Alſo zu Cardoville haben Sie den Prinzen Dſchalma geſehen?“

„Ja Fräulein und von dieſem kurzen Augenblick ſchreibt ſich meine Zuneigung für ihn her. Seyn Sie unbeſorgt, liebes Fräulein. Ich werde meine Aufgabe vollſtändig er⸗ füllen. Der Prinz ſoll ſo wenig wie Sie das Opfer des verabſcheuungswürdigen Complotts werden, welches leider nicht dabei ſtehn geblieben iſt — —“

„Ei wer iſt denn ſonſt noch bedroht geweſen?“

„Herr Hardy, ein Ehrenmann, gleichfalls Ihr Verwandter, gleichfalls bei dieſer Erbſchaft betheiligt. Er iſt durch eine ſchändliche Verrätherei von Paris entfernt worden. Ein letzter Erbe endlich, ein armer Handwerker, iſt in eine geſchickt ge⸗ legte Schlinge gefallen und ins Schuldgefängniß gekommen.“

„Aber,“ fragte Adriana, „zu weſſen Vortheil iſt denn dies abſcheuliche Complott, vor dem ich erſchrecke, angezettelt worden?“

„Zum Vortheil des Abbé Aigrigny.“

„Des Abbé? Wie ſo? Er hatte doch keinen Erban⸗

„Dies zu erklären, würde zu weit führen, Fräulein. Ei⸗ nes Tags ſollen Sie Alles erfahren. Vorläufig ſeyn Sie über⸗ zeugt, daß Ihre Familie keinen erbitterteren Feind hat als den Abbé Aigrigny. ——

Noch einen letzten Argwohn konnte Adriana nicht bergen. „Ich will offen mit Ihnen reden,“ ſagte ſie. „Wodurch hatte ich Ihnen die lebhafte Theilnahme einflößen können, die Sie ſogar auf alle meine Verwandten erſtrecken?“

„Lieber Gott!“ erwiderte Rodin. Wenn ich es Ihnen ſage, werden Sie über mich lachen oder mich nicht begreifen.“

„Ich bitte, ſprechen Sie. Haben Sie Vertrauen auf ſich und auf mich.“

„Nun ich habe Antheil an Ihnen genommen, habe mich Ihrem Dienſt ergeben, weil Ihr Herz edel, Ihr Sinn er⸗