das Fräulein ihm ſcharf ins Geſicht ſah und fragte: „Ah! — — Sie ſind Herr Rodin — — der Secretär des Herrn von Aigrigny?“
„Sagen Sie lieber der geweſene Secretär, werthes Fräu⸗
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. lein,“ erwiederte der Jeſuit. „Sie können ſich leicht denken, deß ich keinen Fuß mehr über die Schwelle des Abbé Ai⸗ 4 „grigny ſetzen werde. Ich habe mir den Herrn zum unver⸗
ſöhnlichen Feind gemacht, und er hat mich hinausgeſtoßen. —— Aber es iſt mir einerlei — was ſage ich? — es iſt mir — recht lieb; denn um dieſen Preis ſind die Böſewichter ent⸗ ₰ . larvt und iſt den ehrlichen Leuten geholfen.“ 3
Dieſe mit ſchmuckloſer Würde geſprochenen Worte ſtimm⸗ ten Adrianen zum Mitleid. Sie dachte: „Der arme alte
c Mann ſpricht eben doch die Wahrheit. Der ſo offenbarte Haß Aigrigny's muß unerbittlich ſeyn, und ihm hat Rodin getrotzt, um als ehrlicher Mann die Wahrheit zu offenbaren.“ Indeß konnte ſie nicht umhin, mit Kälte zu fragen: „Da Sie die Anträge, welche Sie dem Verwalter auf Cardoville machen ſollten, als ſchimpflich und treulos erkannten, wie mochten Sie ſich mit denſelben befaſſen?“
„Warum? warum?“ entgegnete Rodin mit einer Art ſchmerzlicher Ungeduld. „Lieber Himmel! Damals war ich wie verzaubert, völlig in der Macht des Abbé von Aigrigny, eines der gewandteſten Menſchen, die ich kenne, und wie ich erſt ſeit vorgeſtern weiß, eines der gefährlichſten Menſchen. Er hatte meine Bedenklichkeiten i indem er mich überredete, der Zweck heilige die Mittel.“Und ich muß ge⸗ ſtehen, der Zweck, den er vorgab, ſchien groß und ſchön. Vorgeſtern aber bin ich ſchmerzlich enttäuſcht worden. Ein Donnerſchlag hat mich aufgeweckt. Liebes Fräulein!“ bat Rodin im Ton der Verlegenheit und der Scham, „laſſen Sie uns nicht weiter von meiner Reiſe nach Cardoville re⸗ den. Obwohl ich nur ein unwiſſendes, blindes Werkzeug ge⸗ weſen bin, ſo iſt doch meine Scham und mein Verdruß dar⸗ über eben ſo groß, wie wenn ich aus eignem Antrieb gehandelt hätte. Es laſtet auf mir, es drückt mich zu Boden. Ich bitte Sie, ſprechen wir lieber von Ihnen, von dem, was Ihnen am Her⸗ zen liegt; denn die gedrückte Seele hebt ſich wieder bei edlen Gedan en, wie die Bruſt ſich hebt in reiner, freier Luft.“


