Siebentes Kapitel. Der Seeretär des Pater Aigrigny.
Kaum war der Beamte mit dem Arzt verſchwunden, ſo rief Adriana von Cardoville mit freudeſtrahlendem Geſicht, indem ſie den Jeſuiten mit einer Miſchung von Achtung und Dankbarkeit betrachtete: „Endlich bin ich frei und zwar durch Sie, werther Herr. O, nie zuvor habe ich eine Empfindung von dem Glück gehabt, welches in dem himmliſchen Wott Freiheit liegt!“
Und ihr Buſen hob ſich, ihre roſigen Naslöcher dehnten ſich aus, ihre Purpurlippen öffneten ſich halb, als athmete ſie wonnevoll eine belebende und reine Luft ein.
„Seit wenigen Tagen,“ fuhr ſie fort, „befind' ich mich in dieſem entſetzlichen Haus. Aber in dieſer kurzen Zeit habe ich ſo viel durch meine Gefangenhaltung gelitten, daß ich ein Ge⸗
lübde gethan habe, jedes Jahr einigen armen Schuldgefangenen
die Freiheit zu verſchaffen. Dies Gelübde ſcheint Ihnen ohne Zweifel etwas mittelalterlich,“ fügte ſie lächelnd hinzu. „Aber man muß von dieſem herrlichen Zeitalter nicht bloß gemalte Fenſter und Möbel entlehnen. Ich ſage Ihnen alſo dop⸗ pelten Dank, verehrter Herr, denn ich mache Sie zum Mit— ſchuldigen des Befreiungsgedankens, welcher, wie Sie ſehen, ſo eben entſtanden iſt im Gefühl des Glücks, das ich Ihnen verdanke, und von dem Sie gerührt zu ſeyn ſcheinen. Omöge meine Freude Ihnen ſagen, wie ſehr ich Ihnen danke, möge Sie Ihr Lohn ſeyn für Ihren edeln muthigen Beiſtand!“ Adriana hatte eine vollſtändige Verwandkung in dem Ge⸗ ſicht Rodin's bemerkt. Dieſer vorhin gegen Baleinier ſo harte und unbeugſame Menſch ſchien jetzt von den ſanfteſten Gefühlen erfüllt zu ſeyn. Seine kleinen halb geſchloſſenen Schlangenaugen ruhten mit einem Ausdruck unausſprechlicher
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